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Politik Kolumbianer wählen nach acht Jahren Uribe neuen Präsidenten
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18:50 28.05.2010
Die kolumbianischen Präsidentsschaftskandidaten Juan Manuel Santos (links) mit Antanas Mockus. Quelle: dpa
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Rund 30 Millionen Stimmberechtigte haben bei der ersten Wahlrunde am Sonntag die Wahl zwischen neun Kandidaten. Laut der letzten Umfrage vom Wochenende kann Santos mit 34 Prozent der Stimmen rechnen, Mockus mit 32 Prozent. Sollten die beiden Politiker sich bei der Stichwahl am 20. Juni dannn aber direkt gegenüberstehen, hat Mockus die besseren Chancen. Laut der Umfrage von Ipsos Napoleon Franco kann er dann mit 45 Prozent, Santos mit 40 Prozent rechnen.

Santos ist der Kronprinz des scheidenden Präsidenten Alvaro Uribe, der nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Von 2006 an diente Santos als Uribes Verteidigungsminister, bis er 2009 den Posten aufgab, um sich auf den Präsidentschaftswahlkampf vorzubereiten.

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Als Verteidigungsminister war Santos maßgeblich an Uribes Kampf gegen die linksgerichteten FARC-Rebellen beteiligt. In dieser Zeit wurden einige wichtige Geiseln der FARC, darunter die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, befreit. Die Zahl der Rebellen ging von schätzungsweise 17.000 auf nun 7500 zurück. Nach Daten der Organisation Corporación Nuevo Arco Iris sind die FARC-Kämpfer jedoch noch in der Hälfte des Landes aktiv und verübten seit Jahresbeginn 77 Militäraktionen.

Santos wird nicht nur mit den Erfolgen im Kampf gegen die FARC in Verbindung gebracht, sondern auch mit den Vorwürfen gegen die Uribe-Regierung, sie habe in diesem harten Kampf die Menschenrechte verletzt und sich außergesetzliche Hinrichtungen zu Schulden kommen lassen. Den Aufruf der FARC zum Boykott der Wahl wertete Santos am Donnerstag als gezielt gegen sich gerichtet. Es wird jedoch erwartet, dass die meisten Kolumbianer sich durch die Drohungen der Rebellen nicht von der Stimmabgabe abhalten lassen.

Santos’ Rivale Mockus, ein 58-jähriger Mathematiker und Philosoph, ist für seine unkonventionellen Ideen, aber auch für sein exzentrisches Verhalten bekannt. So zeigte er einst streikenden Studenten seinen nackten Hintern. Wie Santos und die sieben anderen Präsidentschaftskandidaten will auch Mockus weiter konsequent gegen die FARC vorgehen, die sich mit Entführungen, Erpressung und organisiertem Verbrechen finanzieren. Ebenso wenig hat sich der Grünen-Politiker als Gegner der neoliberalen Reformpolitik von Uribe hervorgetan. Er hob allerdings seinen Einsatz für die Menschenrechte hervor und sagte der Korruption den Kampf an.

Bei der Entscheidung zwischen Santos und Mockus geht es also weniger um inhaltliche Unterschiede als um den Politikstil. Mockus ist insbesondere bei den bessergestellten Bewohnern in der sieben Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Bogotá beliebt, Santos genießt Rückhalt bei ärmeren Wählern und der Landbevölkerung. Ihre onkurrenten bei der Präsidentschaftswahl können nur mit bis zu sechs Prozent der Stimmen rechnen.

afp

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