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Politik Kliniken testen Impfstoff gegen die Schweinegrippe
Mehr Welt Politik Kliniken testen Impfstoff gegen die Schweinegrippe
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22:26 05.08.2009
Von Margit Kautenburger
Die Impfung gegen die sogenannte Schweinegrippe rückt näher. Quelle: Thomas Lohnes/ddp
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Auch Babys ab sechs Monaten sollen teilnehmen.

Das Bundeskabinett will sich am kommenden Mittwoch mit einem Verordnungsentwurf befassen, der Klarheit über die Beschaffung des Impfstoffs und die Kostenübernahme schafft. „Derzeit herrscht darüber eine große Unruhe“, sagte der Leiter der Klinik für Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Reinhold E. Schmidt, am Mittwoch dieser Zeitung. Allerdings ist noch unklar, ob tatsächlich Ende September schon Impfstoff in großem Stil zur Verfügung stehen wird. „Eine gewisse Menge zu Testzwecken ist vorhanden, aber noch nicht genug für die Massenimpfung“, berichtete der Leiter des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz. Weltweit würden Milliarden Dosen benötigt. Das gelinge nur, wenn möglichst viele Hersteller einen Impfstoff entwickelten, heißt es.

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In Deutschland werden 50 Millionen Impfstoffdosen benötigt. An den Universitäten laufen verschiedene Tests. Zum einen wird bereits zugelassener Musterimpfstoff erprobt, der schon von der Vogelgrippe her bekannt ist. In ihn mussten nur noch Eiweiße des Schweinegrippevirus (H1N1) eingebaut werden. Unbekannte Nebenwirkungen erwarten die Forscher nicht. Mit diesem Impfstoff wird für Ende September gerechnet. Zum anderen werden Studien mit Viren durchgeführt, die auf Zellkulturen vermehrt werden. Hierfür gebe es noch keine Musterzulassung, die Genehmigung gibt es vermutlich nicht vor Ende Oktober/Anfang November.

Das Schweinegrippevirus wird derzeit besonders durch heimkehrende Urlauber nach Deutschland eingeschleppt. Bundesweit ist die Zahl der Infizierten auf fast 8000 gestiegen. Die Forderung des Virologen Alexander Kekulé, zur Eindämmung der Schweinegrippe die Schulferien zu verlängern, stieß allerdings auf breite Ablehnung. Der Vorschlag sei zum jetzigen Zeitpunkt „völlig überzogen“, sagte Immunologe Schmidt. Sinnvoller sei es, die Schulen auf besondere Hygiene einzuschwören, hieß es im niedersächsischen Sozialministerium. Als einziges Bundesland denkt Nordrhein-Westfalen über eine Ferienausdehnung nach. Das am stärksten von der Schweinegrippe betroffene Land will am Dienstag entscheiden. Man beobachte die Entwicklung in Niedersachsen, wo das neue Schuljahr am Donnerstag begonnen hat, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf.