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Politik Klimaschützer sind entsetzt nach Scheitern des Gipfels
Mehr Welt Politik Klimaschützer sind entsetzt nach Scheitern des Gipfels
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22:42 20.12.2009
Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: ddp
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Während Umweltschützer, Kirchenvertreter und deutsche Oppositionspolitiker den Minimalkompromiss als Schande rügten, bemühte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag um Schadensbegrenzung und warnte vor überzogener Kritik.

Die Schlusserklärung zu der zweiwöchigen UN-Mammutkonferenz hatte Merkel mit US-Präsident Barack Obama und etwa 25 weiteren Staats- und Regierungschefs ausgehandelt. Der sogenannte Copenhagen Accord enthält das wichtige Zwei-Grad-Ziel: Die globale Erwärmung soll unter dieser Marke gehalten werden. Außerdem versprechen die Industrie- den Entwicklungsländern Finanzhilfen für Klimaschutz von zunächst zehn, später 100 Milliarden Dollar pro Jahr. Doch sind keine Zielvorgaben zur Senkung der gefährlichen Treibhausgase genannt. Mitte 2010 soll in Bonn auf Ministerebene erneut über ein verbindliches UN-Abkommen verhandelt werden, das ursprünglich schon in Kopenhagen fertig werden sollte. Nun ist ein Abschluss bei der nächsten Weltklimakonferenz in Mexiko Ende 2010 geplant.

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„Kopenhagen ist ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger“, sagte Kanzlerin Merkel. Schlechtreden sei nicht angebracht. „Auf Kopenhagen muss jetzt aufgebaut werden. Das wird Deutschland auf der Konferenz Mitte des Jahres in Bonn tun.“

Umweltschützer nannten das Ergebnis ein faktisches Scheitern und sprachen von Schande, Farce und Desaster. Die großen Verlierer seien das Klima und die Bevölkerung der ärmsten Länder der Erde, erklärten Organisationen wie Greenpeace und BUND. Es handele sich um eine Bankrotterklärung der Staats- und Regierungschefs.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gab der Bundesregierung eine Mitschuld am Scheitern. „Deutschland hat bei den Verhandlungen eine unrühmliche Rolle gespielt“, sagte der ehemalige Umweltminister. Auch der Grünen-Fraktionschef sieht eine Mitverantwortung der Bundesregierung. Trittin sagte dieser Zeitung: „Bei Klimakonferenzen war es schon immer so, dass es nur Fortschritt gab, wenn Europa einen Schritt vorangegangen ist. Diese Vorreiterrolle hat die EU auf deutschen Druck gerade im Bereich der Finanzzusagen verweigert.“

von Stefan Koch und Michael M. Grüter

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