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Politik Klarere Kennzeichnung gefordert
Mehr Welt Politik Klarere Kennzeichnung gefordert
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13:31 16.04.2009
Mehrweg ist Klimaschutz - sagen die Umweltschützer. Quelle: Martin Oeser/ddp
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Verbraucher müssten besser erkennen können, welche Getränke tatsächlich in umweltfreundlichen Verpackungen verkauft würden und welche Flaschen trotz Pfand im Müll landeten, erklärte die Allianz für Mehrweg in Berlin. Dem Mehrwegsystem drohe sonst das Aus, da besonders Billigsupermärkte etwa Mineralwasser nur noch in Einwegflaschen zu Schleuderpreisen anböten.

Die Allianz für Mehrweg, an der neben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vor allem mittelständische Betriebe der Getränkeindustrie beteiligt sind, beklagt, die Mehrwegquote sei seit der Einführung des Pfandes auf Einwegflaschen deutlich gefallen. „Viele Verbraucher wissen derzeit nicht, was ist Mehrweg, was ist Einweg“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

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Die Allianz will die Getränkekäufer mit einer Informationskampagne aufklären: „Die Verbraucher sollen wissen, dass sie an den Ladenkassen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können“, sagte Resch. Einer Studie zufolge werde bei der Verwendung von Mehrwegflaschen nur gut die Hälfte des Klimagases Kohlenstoffdioxid (CO2) erzeugt, die bei Einwegflaschen aus Plastik anfalle.
Der Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg, Clemens Stroetmann, beklagte, bislang sei nur eine Kennzeichnung der Pfandpflicht vorgeschrieben. Für Verbraucher sei oft nicht zu erkennen, ob es sich um Einweg- oder Mehrwegflaschen handle. „Die Angaben sind teilweise versteckt bis teilweise unrichtig“, klagte Stroetmann. Er sieht in diesem Punkt auch die Bundesregierung in der Pflicht: Die Zielmarke, dass 80 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen und den ebenfalls relativ umweltfreundlichen Tetrapacks verkauft werden sollten, sei „deutlich verfehlt“.

Die Allianz für Mehrweg begrüßte daher den Vorstoß von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Einweg- und Mehrweg-Mineralwasserflaschen klarer zu kennzeichnen. Der Minister hatte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP beklagt, die deutschen Discounter verhielten sich „so ignorant beim Thema Mehrweg, dass der Staat hier handeln muss“. Eine klarere Kennzeichnung von Ein- und Mehrweg unterstützen nach Angaben von DUH-Geschäftsführer Resch auch Vertreter aller Fraktionen im Bundestag.

Ein Verbot von Einwegflaschen, das Gabriel ebenfalls ins Spiel gebracht hatte, lehnten die DUH und die Vertreter der Getränkeindustrie ab. Dies sei europarechtlich nicht möglich. Mittelfristig setzt sich die Allianz für Mehrweg allerdings für eine „Lenkungsabgabe“ von mindestens 20 Cent ein, die auf Einwegflaschen erhoben werden soll.

afp