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12:41 20.06.2010
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz: Erzbischof Robert Zollitsch. Quelle: dpa (Archiv)
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„Wir müssen unsere Stimme erheben, wo die Gefahr besteht, dass die anderen, die Armen, die Schwachen und Benachteiligten übersehen werden“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Sonntag in einem Gottesdienst zur Andechser Dreihostienwallfahrt (Bayern). „Deshalb können wir auch in der aktuellen Spardebatte nicht schweigen.“ Es gelte sich dafür einzusetzen, „dass es für alle ein menschenwürdiges Leben und Arbeiten gibt“.

Die Kirche werde „die nicht aus dem Blick verlieren, die keine Lobby haben und nicht mit dem hohen Tempo in unserer Gesellschaft mithalten können“, sagte Zollitsch. Er rief die Christen zu beherztem Engagement in der Gesellschaft auf. „Es ist der christliche Hunger und Durst nach Gerechtigkeit“, der die Christen zum Handeln motiviere. Für eine Kirche, die sich auf Jesus Christus berufe, sei Solidarität mit den Schwachen eine tragende Säule. Der christliche Glaube sei kein Lippenbekenntnis, sondern ein Lebensbekenntnis. „Christ sein drückt sich in der Art des Umgangs miteinander aus, im konkreten Reden und Tun“, betonte Zollitsch. „Damit steht und fällt die Strahlkraft des Christentums.“

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Der Glaubensverlust in der Gesellschaft ist nach Ansicht Zollitschs nicht allein auf Kirchengegner, sondern auch interne Streitereien zurückzuführen. „Nicht selten bläst uns gesellschaftlicher Wind ins Gesicht oder werden gar innerkirchliche Gräben aufgerissen und Mauern errichtet, wo es doch notwendig wäre, Brücken zu bauen. Reichen wir einander die Hand zur Versöhnung“, sagte Zollitsch und beschwor Gemeinsinn: „Jesus will keine Ansammlung von Individualisten und Einzelkämpfern.“

Auf die Vorgänge um den zurückgetretenen Augsburger Bischof Walter Mixa ging er dabei nicht ein. Mixa hatte Zollitsch und dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx kürzlich vorgehalten, deren Verhalten „hätte brüderlicher sein müssen“. Sein Rücktritt sei unter massivem Druck erfolgt.

Die Anfänge der Dreihostienwallfahrt in Andechs reichen nach Angaben des Klosters Andechs ins 11. Jahrhundert zurück. Sie gilt damit als eine der ältesten Wallfahrten in Bayern. Die drei Hostien, die dabei verehrt werden, sollen im 12. Jahrhundert aus Rom über Bamberg nach Andechs gekommen sein. Ihre Wiederauffindung im 14. Jahrhundert sorgte für großes Aufsehen und belebte die Andechser Wallfahrt neu. Das Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg mit einer eigenen Brauerei ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Wegen des schlechten Wetters fiel die traditionelle Prozession zur Dreihostienwallfahrt unter freiem Himmel am Sonntag allerdings aus.

dpa