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10:02 18.01.2018
Wie ist es um den Kinderschutz in Deutschland wirklich bestellt? Quelle: dpa
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Berlin

Ein kleiner Junge wird Pädophilen im Internet angeboten – vom Lebensgefährten seiner Mutter, mithilfe seiner Mutter. Das Jugendamt wusste, dass der Mann wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft ist und es zu seinen Bewährungsauflagen gehört, dass er mit Kindern nie allein sein darf. Trotzdem kann er den Neunjährigen monatelang missbrauchen.

Das Freiburger Drama lässt fragen: Wie ist es um den Kinderschutz in Deutschland wirklich bestellt? Trotz fortschreitender Gesetzgebung sind die Unsicherheiten im Umgang mit Verdachtsmomenten groß. Daran wird auch die gute Absicht einer neuen GroKo, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen, wenig ändern. Denn Kinder brauchen nicht so sehr neue Gesetze – sie brauchen mutige Erwachsene.

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Menschen, die hinschauen, sich Zeit nehmen und sich trauen, Verantwortung zu übernehmen. Kinder brauchen keine verunsicherten Erwachsenen, die sich im komplizierten Netzwerk von Zuständigkeiten verlaufen. Sie brauchen Sozialarbeiterinnen, die einschreiten, Lehrer, denen sie vertrauen können, Nachbarn, die nachfragen und am Ende Richter, die sich nicht nur am „Elternrecht“ festklammern. Wer sorgt sich darum, dass Familienrichter angemessen ausgebildet werden für eine Aufgabe, die weit über juristisches Fachwissen hinausgeht?

Und: All diese potenziellen Beschützer brauchen Zeit und Rückhalt. Aber es fehlen Ressourcen, sprich Personal. Kinderschutz ist kompliziert – und nur möglich, wenn wir uns entscheiden, dafür Geld auszugeben. Es ist gut investiert.

Bernd Kasper ist Sozialpädagoge und Autor von „Kindeswohl – Eine gemeinsame Aufgabe“.

Von Bernd Kasper

Der Artikel "Kinder ohne Schutz" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.