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Politik Keine Atomwaffen für Terroristen
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22:02 12.04.2010
Von Michael Grüter
Gastgeber des Atomgipfels: US-Präsident Barack Obama
Gastgeber des Atomgipfels: US-Präsident Barack Obama Quelle: dpa
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Der frühere UN-Diplomat Hans Blix plauderte im Vorfeld des Washingtoner Gipfels zu nuklearer Sicherheit aus dem Nähkästchen: „In Europa gab es überall solche Ganoven, die versuchten, irgendwelche kleinere Uran- oder sogar Plutoniummengen zu vertreiben“, erinnert sich der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) an die neunziger Jahre.

In Washington soll am Dienstag der Versuch unternommen werden, solchen Geschäften mit dem Tod den Nachschub abzusperren. US-Präsident Barack Obama hat 40 Staats- und Regierungschefs zusammengerufen, um mit einer neuen Initiative, die nukleare Sicherheit zu erhöhen. „Die größte Einzelbedrohung für die Sicherheit der USA, sowohl kurz- als auch mittelfristig, geht von der Möglichkeit aus, dass Terrororganisationen Atomwaffen erlangen“, erklärte Obama. Al-Qaida-Kämpfer würden „keine Hemmungen haben, sie auch zu benutzen“. Die USA richten den Fokus bei der Konferenz auf die Gefahr der Weitergabe ausgereifter Bombentechnologie an irreguläre Gruppierungen.

Die deutsche Bundesregierung will Aufmerksamkeit auch auf die Gefahren einer „schmutzigen Atombombe“ richten. Bei einer schmutzigen Bombe ist es nicht notwendig, die komplexe Technologie einer Atombombe zu beherrschen. Es genügt, hochgiftiges spaltbares Material konventionellem Sprengstoff beizufügen und bei der Explosion unkontrolliert freizusetzen, um weite Bereiche atomar zu verseuchen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte gestern vor ihrer Abreise in die USA, es gehöre im Angesicht völlig neuer, asymmetrischer Bedrohungen zu den wichtigsten Aufgaben, die Sicherheit von Nuklearmaterial weltweit zu garantieren.

Während das System weltweiter Kontrollen bei waffenfähigem Material fortgeschritten ist, sind die Sicherheitsstandards bei nuklearem Material in Reaktoren, Atomanlagen und Krankenhäusern sehr unterschiedlich. Auch in den USA lasse der Umgang mit spaltbarem Material zu wünschen übrig, heißt es in deutschen Regierungskreisen. Deutschland sieht die eigenen Regelungen des Atomgesetzes als vorbildlich an. Ägypten legt Wert darauf, keine neuen internationalen Verpflichtungen zu vereinbaren, die bei der Nutzung der Atomenergie hinderlich sein könnten. Im Mai folgt eine Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag.

Die deutsche Regierungschefin hofft, in Gesprächen mit den Präsidenten von China und Russland einer UN-Sicherheitsratsresolution näher zu kommen, mit der der Iran unter Androhung von Sanktionen – gekoppelt mit neuen Verhandlungsangeboten – von seinem Atomprogramm abgebracht werden soll. Eine Entscheidung sei „sehr bald zu fällen“, sagte Merkel. Einen atomwaffenfreien Nahen Osten streben Berlin und Washington allenfalls auf lange Sicht an. Bis auf weiteres nehmen beide Regierungen keinen Anstoß an den israelischen Atomwaffen, deren Existenz als Fakt unterstellt wird.