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Politik Katrin Göring-Eckardt: Die Tangotänzerin
Mehr Welt Politik Katrin Göring-Eckardt: Die Tangotänzerin
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22:47 20.12.2012
Von Michael B. Berger
„Wir waren und sind eine Partei der Vielfalt“: Katrin Göring-Eckardt. Quelle: Thomas
Hannover

Sie hat sich ganz schön umstellen müssen. Faktisch sind nur fünf Wochen vergangen, seit Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin der Grünen gewählt wurde. „Aber gefühlt ist das wie zwei Jahre“, sagt die 46-Jährige. Sie hat sich schnell daran gewöhnen müssen, dass wildfremde Leute sie im Zug ansprechen oder einfach ihr Handy zücken und sie fotografieren. Oder per Facebook Mitteilungen schicken, die etwa lauten: „Wie schön, ich habe Sie gestern im Gottesdienst gesehen“.

Nein, sagt Katrin Göring-Eckardt, sie finde es nicht nervig, jetzt im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. „Ich habe schließlich die Öffentlichkeit frei gewählt.“ Im Gegenteil, sie, die früher eher als die zurückhaltende Grüne oder „grüne Christin“ eingestuft wurde, scheint die neue, größere Öffentlichkeit zu genießen. Obwohl sie vorher schon als Bundestagsvizepräsidentin, frühere Bundestagsfraktionschefin, Kirchentagspräsidentin in Dresden und Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland einen höheren Bekanntheitsgrad hatte. Aber immer nur innerhalb eines bestimmten Fachpublikums.

Jetzt ist sie ein Fernsehgesicht und lockt nicht nur grünes Stammpublikum an, wenn etwa im niedersächsischen Landtagswahlkampf über Deutschlands neue Mitte diskutiert wird, politisch versteht sich. Sie selbst, die aus der DDR-Bürgerbewegung kommt, ein Theologiestudium begann, aber nicht abschloss, kann nichts anfangen mit der herkömmlichen Rechts-Links-Verortung, die auch in ihrer Partei großgeschrieben wird. Noch weniger kann sie es leiden, wenn behauptet wird, die Grünen seien mit der Wahl Göring-Eckardts zur Spitzenkandidatin „bürgerlicher“ geworden.

Was heißt das schon? Umgekehrt wird für sie ein Schuh daraus. „Die Grünen sind aus Bürgerbewegungen hervorgegangen“, sagt sie – und zählt auf: die Frauenbewegung, die Friedensbewegung, die Ökologiebewegung. „Wir waren und sind eine Partei der Vielfalt. Mit der Mitgliederbefragung haben wir Maßstäbe gesetzt, an denen auch die anderen Parteien nicht ohne Weiteres vorbeikommen.“

Einen anderen, vielleicht noch etwas genaueren Blick dürfte sie seit einigen Wochen auf Peer Steinbrück werfen, den frisch gekürten SPD-Kanzlerkandidaten, der als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident noch als Grünen-Fresser galt. „Mit uns gibt es keine Beinfreiheit“ hat Göring-Eckardt vor einigen Wochen selbstbewusst an die Adresse Steinbrücks gesagt – und von einer rot-grünen Bundesregierung eine echte Energiewende und eine andere Industriepolitik verlangt. Von „Beinfreiheit“ hat sie ganz konkrete, reale Vorstellungen. „Ich bin in einem Tanzlehrerhaushalt großgeworden und weiß von daher, dass bei Beinfreiheit einer Schmerzen bekommt und beide Gefahr laufen umzufallen.“

Der Vater, der in der DDR eine private Tanzschule betrieb, scheint auch schuld daran zu sein, dass Katrin Göring-­Eckardt sich so ruhig und souverän im Licht der Öffentlichkeit bewegt. Bereits als Zwölfjährige habe sie lernen müssen, sich auf Stöckelschuhen durch eine Tanzschule zu bewegen. Seitdem habe sie keine Angst mehr gehabt vor großen Auftritten. Untypisch für grüne Verhältnisse dürfte auch sein, dass die Theologin sich gut auf Standardtanz und lateinamerikanische Tänze versteht, sich sogar im Turniertanz geübt hat. Am liebsten tanzt sie übrigens Tango, aber auch Rumba, da sei der Mann der Stier  und die Frau das rote Tuch. Göring-Eckardt lacht.

Sie hat Humor, Steinbrück übrigens auch. Und so sind sie durchaus in der Lage, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Aber immer auf Augenhöhe. Darauf legt sie Wert. „Die Zeiten, wo die SPD die Grünen als entlaufenen Ortsverein betrachtet hat, sind doch wohl vorbei.“ Aber, sagt sie noch, mit Steinbrück sei alles geklärt. Man habe sich bei verschiedenen Anlässen schon mehrfach getroffen. Aber das sei kein Grund, jedes Mal ein Kommuniqué herauszugeben. Auch mit Jürgen Trittin, dessen Humor noch etwas trockener, knarziger ist, versteht sie sich gut – was auch erste gemeinsame Auftritte belegen, in denen sich Göring-Eckardt ungemein schlagfertig zeigte.

Lange Zeit hat man Katrin Göring-Eckardt als Grüne gesehen, die besonders gut mit den Christdemokraten kann, schließlich gehörte sie ganz früher mal der „Pizza-Connection“ an, in der junge Grüne und junge Christdemokraten zusammenfanden. Doch wer sie heute nach den Möglichkeiten eines schwarz-grünen Bündnisses fragt, trifft auf Ablehnung. Zu weit sei die Union von der Programmatik der Grünen entfernt, viel zu kurz seien derzeit die Deckungslinien. Und das Betreuungsgeld regt sie richtig auf. Auf kirchliche Einwände, dass hierüber ein schon viel zu ideologischer Streit geführt werde, lässt sie sich gar nicht erst ein. „Mit dieser einseitigen Hilfe des Staates an Frauen, die ihr Kind nicht in eine Kita schicken, sondern zu Hause lassen, wird doch die Wahlfreiheit der Frauen beschränkt“, sagt sie.

Überhaupt findet sie es merkwürdig, dass sich die Union ständig mit den Grünen befasse, aber überhaupt nichts davon wissen wolle, wenn die Grünen sagten, zur Finanzierung des Staates brauche man Steuererhöhungen und auch eine Vermögensabgabe. „Es zählen die harten Fakten – und da sind Union und Grüne weit auseinander.“ Sagt Katrin Göring-Eckardt, die sich in der EKD-Synode auch bestens mit ihrem CSU-Gegenüber Günther Beckstein verstanden hat. Bei abweichenden Positionen, versteht sich.

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