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Politik Kapitän der „Hansa Stavanger“: „Das hätte ein Blutbad gegeben!“
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17:50 06.08.2009
Der deutsche Frachter „Hansa Stavanger“. Quelle: ddp
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„Nonstop waren schwere Maschinenpistolen auf unsere Köpfe gerichtet. Das war Psychoterror rund um die Uhr“, sagte Kotiuk in dem Interview, das am Donnerstag um 21.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt werden sollte.

Immer wieder ist es zu Scheinhinrichtungen gekommen. Kotiuk selbst wurde zweimal gesagt, dass er erschossen werden soll: „Die Männer zielten mit Gewehren auf mich und mir wurden die Augen verbunden. Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt.“ Einer der Offiziere sei bei einer solchen Aktion zusammengebrochen.

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Kotiuk zufolge sind die Seeräuber besonders nervös und aggressiv gewesen, wenn Helikopter über dem Schiff kreisten. „Sie haben uns als menschliche Schutzschilde missbraucht“, betonte er. Auch von der geplatzten Befreiungsaktion der GSG 9 habe er an Bord gehört. „Die Befreiungsaktion hätte keinen Erfolg gebracht, im Gegenteil, es hätte ein Blutbad gegeben. Unsere ganze Mannschaft war ja auf der Brücke verteilt, es hätte viele Tote gegeben!“

Die Versorgung an Bord sei sehr schlecht gewesen, sagte Kotiuk. Ferner musste sich die Crew mit 40 Personen eine ständig verstopfte Toilette teilen. Generell ginge es dem Kapitän und seiner Mannschaft nun den Umständen entsprechend gut: „Wir sind alle sehr müde und froh, dass es vorbei ist. Das hat einfach zu lange gedauert.“

Die am 4. April rund 400 Seemeilen östlich von Mombasa von somalischen Piraten gekaperte „Hansa Stavanger“ der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg war am Montag wieder freigekommen. Medienberichten zufolge erhielten die Seeräuber 2,75 Millionen Dollar Lösegeld. Unter den 24 Besatzungsmitgliedern sind fünf Deutsche. Das Schiff wird nach „Panorama“-Informationen am Samstag in der kenianischen Hafenstadt Mombasa erwartet.

ddp

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