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Politik Kampf gegen Russland: Ukraine setzt Maschinengewehre aus der Zarenzeit ein
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09:00 15.05.2022
Die Ukraine setzt bei der Verteidigung ihres Landes auf historische Waffen.
Die Ukraine setzt bei der Verteidigung ihres Landes auf historische Waffen. Quelle: picture alliance / akg-images / Sammlung Foedrowitz
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Seit dem 24. Februar tobt in der Ukraine Putins brutaler Angriffskrieg. Ein ganzes Land hat sich seitdem seiner Verteidigung vor den russischen Besatzern verschrieben. Im Kampf gegen eine der modernsten Armeen der Welt müssen die ukrainischen Streitkräfte dabei vor allem auf Waffensysteme aus der Sowjetzeit zurückgreifen. Aufmerksamkeit erregt nun aber eine Waffe, die noch deutlich älter ist.

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Denn wie die britische Wochenzeitung „The Economist“ berichtet, setzen die Ukrainer das Maschinengewehr PM 1910 recht erfolgreich im Kampf gegen die russischen Invasoren ein. Die ersten Modelle dieser Waffe wurden bereits vor rund 120 Jahren für die Armee des russischen Zaren produziert. Das PM 1910 basierte auf dem Maxim-Maschinengewehr, das seinerzeit eine echte Neuheit war. Denn das Maxim war das erste selbstladende Maschinengewehr.

Im Gegensatz zu den damals sonst üblichen Gatling-Geschützen mit sechs um eine Drehachse angeordneten Läufen, hat das Maxim-Maschinengewehr nur einen. Ein Rückstoßverstärker an der Mündung sorgt für den selbstständigen Ladevorgang. Behält man den Finger einfach am Abzug, sind Salven von bis zu 250 Schuss möglich.

Erfinder war ursprünglich Kutschenbauer

Benannt ist die Waffe nach ihrem Erfinder Hiram Maxim, der 1840 in Amerika geboren wurde und später die britische Staatsbürgerschaft annahm. Ursprünglich hatte Maxim eine Ausbildung zum Kutschenbauer gemacht. Sein Maschinengewehr stellte er zum ersten Mal 1885 vor. Deutsche und Briten nutzen die Waffe im ausgehenden 19. Jahrhundert unter anderem im Kampf gegen Einheimische in ihren afrikanischen Kolonien.

Die russische Armee begann ihre Produktion des PM 1910 etwas später um 1904. In Serie ging die russische Waffenindustrie mit dem Maschinengewehr allerdings erst 1912. Fünf Jahre später wurde das Maschinengewehr bei der Oktoberrevolution und dem darauffolgenden Bürgerkrieg der Bolschewisten gegen die zarentreuen Kräfte eingesetzt. Auch im zweiten Weltkrieg lässt sich der Einsatz des PM 1910 nachweisen, obwohl es bereits da längst modernere Waffensysteme gab.

Wie alt die nun von den Ukrainern verwendeten Waffen sind, lässt sich kaum nachprüfen. Videos auf Twitter zeigen ukrainische Soldaten, die Modelle des Gewehrs mit Kühldeckel an der Mündung des Laufes bedienen. Dieser Zusatz wurde ab 1940 an die Gewehre angebracht. Frühere Videos zeigen allerdings auch Modelle ohne diese Kühlvorrichtung.

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Auch die Herkunft der Waffen ist nicht ganz zu klären. Eine Prüfung der Bestände der ukrainischen Armee vor zwölf Jahren ergab, dass das Land etwa 35.000 Maxim-Maschinengewehre aus Lagern der Roten Armee übernommen hat. Diese wurden zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren hergestellt. Wahrscheinlich ist, dass die verwendeten Maschinengewehre etwa 75 Jahre alt sind.

RND/jst/dre

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Der Artikel "Kampf gegen Russland: Ukraine setzt Maschinengewehre aus der Zarenzeit ein" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.