Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik KKH-Chef: Patienten sollen für Operationen weit fahren
Mehr Welt Politik KKH-Chef: Patienten sollen für Operationen weit fahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:30 23.05.2013
Von Gabi Stief
„Wer Qualität will, der muss bei planbaren Eingriffen auch einmal größere Entfernungen in Kauf nehmen“: KHK-Chef Ingo Kailuweit. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Es gehe nicht darum, Personal zu entlassen, sondern um eine Konzentration hochspezialisierter Operationen auf bestimmte Standorte, sodass nicht alle Häuser in einer Region das Gleiche anbieten. „Wer Qualität will, der muss bei planbaren Eingriffen auch einmal größere Entfernungen in Kauf nehmen“, sagte Kailuweit weiter. „Nähe bedeutet unter Umständen Abstriche in der Qualität.“

Der KKH-Chef warf der Politik vor, sich an das Problem nicht ranzutrauen. „Die Politiker wollen in ihrem Wahlkreis keine Klinikschließungen, weil es um Arbeitsplätze geht.“ Bezahlen müssten die Krankenkassen und ihre Versicherten. Wenig Verständnis äußerte Kailuweit auch für den Widerstand in der Bevölkerung. Bereits heute akzeptierten Patienten, für die komplizierte Herzoperation eine weit entfernte Klinik aufzusuchen. „Die Hüftoperation soll dagegen im Krankenhaus um die Ecke geschehen.“

Anzeige

In Berlin gebe es beispielsweise 30 zugelassene orthopädische Kliniken, die alle künstliche Hüften einsetzten. Notwendig seien aber nur zwei oder drei Häuser. „Wenn in Hannover nur die Kliniken Siloah und Oststadt-Heidehaus zusammengelegt werden, gibt es schon endlose Diskussionen.“

Auch die demografische Entwicklung in einem Flächenland wie Niedersachsen könne nicht folgenlos bleiben. Nach den Vorstellungen des Kassenchefs sollte ein Allgemeinkrankenhaus in Ostfriesland bei planbaren Operationen künftig überwiegend als Anlaufstelle fungieren. „Es sollte als Lotse arbeiten und die Patienten an Spezialabteilungen in anderen Orten weiterleiten.“

Eine stärkere Spezialisierung fordert Kailuweit auch in der ambulanten medizinischen Versorgung. „Wir brauchen in einigen Bereichen mehr Fachärzte.“ Chroniker verursachten die meisten Kosten, aber sie würden häufig nicht von Spezialisten versorgt. Die Abschaffung des Hausarztmodells sei überfällig. „Aber auch da traut sich die Politik nicht ran.“

Den Beschluss der Bundesregierung, den gut 2000 Krankenhäusern in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich 1,1 Milliarden Euro zulasten der Krankenkassen zukommen zu lassen, hält der KKH-Chef grundsätzlich für falsch. Damit werde keins der strukturellen Probleme gelöst. „Kein normales Unternehmen würde höhere Gehälter zahlen, wenn die Qualität nicht stimmt.“