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Politik Jugendfreundin verstrickt sich in Widersprüche
Mehr Welt Politik Jugendfreundin verstrickt sich in Widersprüche
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18:33 26.03.2014
Foto: Im NSU-Prozess in München hat eine Jugendfreundin des Neonazi-Trios widersprüchliche Angaben gemacht.
Im NSU-Prozess in München hat eine Jugendfreundin des Neonazi-Trios widersprüchliche Angaben gemacht. Quelle: dpa
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München

Im Münchner NSU-Prozess hat eine frühere Bekannte des Neonazi-Trios widersprüchliche Angaben zu ihrer Rolle beim Untertauchen der späteren mutmaßlichen Terroristen gemacht. Die Ex-Freundin des mitangeklagten Ralf Wohlleben soll nach den Erkenntnissen der Ermittler mitgeholfen haben, als Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe nach einer Durchsuchung im Januar 1998 in den Untergrund gingen.

Vor Gericht sagte sie am Mittwoch, Böhnhardt sei am Tag seines Untertauchens mit einem gemeinsamen Bekannten bei ihr in der Berufsschule in Jena aufgetaucht. „Es gab die Aussage, das Ralf sonst ins Gefängnis muss“, sagte die heute 32-jährige Juliane W. Sie war damals mit Wohlleben liiert. Warum sie davon ausging, dass ihrem Freund Haft drohe, konnte sie nicht mehr sagen. Sie seien dann nach Erfurt gefahren, um Wohlleben zu informieren - worüber genau, wisse sie aber nicht mehr.

„Sie machen mir’s echt schwer“, sagte die Zeugin, als der Vorsitzende Richter Manfred Götzl mehrmals nachfragte. „Ja, ich mache es Ihnen schwer - und Sie mir auch“, antwortete der Richter. Sein Appell, sie solle einfach von sich aus erzählen, half jedoch wenig. Immer wieder machte Juliane W. Erinnerungslücken geltend.

Einmal sagte sie, sie sei nicht sicher, ob sie noch in der Wohnung von Zschäpe gewesen sei. Dann gab sie zu, dass sie noch Sachen - wahrscheinlich Kleidung - aus der Wohnung geholt habe. „Ich muss ja einen Schlüssel gehabt haben, sonst wäre ich nicht reingekommen. Aber ich kann nicht sagen, wer mir den Schlüssel gegeben hat.“ Hingegen wusste sie noch, dass sie die Sachen in eine blaue Mülltüte gepackt habe.

Sie sei auch zur Wohnung der Eltern von Uwe Mundlos gefahren worden, berichtete Juliane W. Nach Vermerken der Ermittler traf sie dort ein, als die Wohnung gerade durchsucht werden sollte. Dort soll sie den Beamten gesagt haben, Mundlos habe ihr den Schlüssel gegeben, um dort Fernsehen zu schauen oder zu lesen. Es fiel den Beamten dabei jedoch auf, dass in der Wohnung weder Fernseher noch Bücher waren.

An mehreren Stellen gab es auch Widersprüche zwischen den Aussagen vor Gericht und ihren Aussagen beim Bundeskriminalamt im Januar 2012. Die Zeugin erklärte das teils mit wechselnden Erinnerungen, teils mit ungenauer Protokollierung. „Vielleicht ist weder diese Zeugenaussage gelogen noch die andere.“ Vor allem die Verteidiger von Wohlleben schienen sich sichtlich über jeden Widerspruch zu freuen - je weniger von der Aussage verwertbar ist, desto besser könnte es für ihren Mandanten sein.

Das Gericht konnte die teilweise sehr zähe Vernehmung am Mittwoch nicht zu Ende bringen. Die Zeugin soll am Donnerstag weiter vernommen werden.

dpa

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