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Politik Johnson will Spaltung Großbritanniens überwinden
Mehr Welt Politik Johnson will Spaltung Großbritanniens überwinden
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16:07 23.07.2019
Großbritanniens zukünftiger Premier: Boris Johnson Quelle: Getty Images
London

Es ist entschieden: Der ehemalige britische Außenminister Boris Johnson hat das Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May für sich entschieden. Er ist damit Chef der Konservativen Partei und wird am Mittwoch auch das Amt des Regierungschefs übernehmen.

Er setzte sich bei der innerparteilichen Wahl mit 92.153 Stimmen gegen seinen Rivalen Jeremy Hunt durch, der 46.656 Stimmen erhielt. Direkt nach Verkündung des Wahlergebnisses hielt Johnson eine Ansprache, in der er etwa die Konservativen und ihre Werte lobte.

Johnson kündigte an, den Brexit „komme was wolle“ zum 31. Oktober abzuschließen. Er wolle das Chaos um den EU-Austritt Großbritanniens beenden und die Spaltung im Land überwinden. Die Ziele seien nun, den Brexit zu vollziehen, das Land zu vereinen und Oppositionschef Jeremy Corbyn zu besiegen, sagte der neue Chef der britischen Konservativen am Dienstag in London. Er wolle den Wunsch nach Freundschaft mit Europa und die Sehnsucht nach demokratischer Selbstbestimmung vereinen.

Er dankte seinen Unterstützern und beendete seine Rede mit den Worten: „Die Kampagne ist vorbei, die Arbeit beginnt.“

Mit Spannung wird erwartet, wen der umstrittene Politiker zu sich ins Kabinett holt. Einige Mitglieder von Mays Regierung hatten angekündigt, dass sie zurücktreten würden, bevor Johnson sie entlassen könne, weil sie seine Drohung ablehnen, Großbritannien auch ohne Abkommen aus der EU zu führen. Der Schatzkanzler Philip Hammond würde wahrscheinlich am Mittwoch zurücktreten.

Zuletzt warf Hunts Staatssekretär Alan Duncan das Handtuch. Er mache sich große Sorgen, dass Johnson aus dem Bauch heraus agieren werde „und das ist alles etwas planlos und wackelig“, sagte Duncan am Montag der BBC.

Die bisherige Parteivorsitzende Theresa May war zurückgetreten, weil sie im Parlament keine Mehrheit für den von ihr mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag gefunden hat. Nach der Parteiwahl gibt sie auch den Posten als Premierministerin auf.

Die etwa 160.000 Parteimitglieder – das sind nach Angaben der Zeitung „Independent“ 0,34 Prozent aller Wahlberechtigten – hatten mehrere Wochen Zeit, um sich zwischen Johnson und Hunt zu entscheiden.

Johnson will das Abkommen über den EU-Austritt seines Landes mit Brüssel neu verhandeln. May war mit dem Deal im Parlament drei Mal gescheitert. Die Europäische Union lehnt aber jegliche Änderung an dem Abkommen ab. Johnson will daher notfalls am 31. Oktober ohne Austrittsvertrag ausscheiden. Das dürfte erhebliche negative Folgen für die Wirtschaft und viele weitere Lebensbereiche haben.

Von RND/dpa/AP/das