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Politik John Forbes Kerry: Obamas Mann für Europa
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11:26 26.02.2013
Von Susanne Iden
Kerry beginnt seine Vorstellungsrunde jetzt in London und Berlin und setzt sie dann im Nahen Osten fort. Quelle: dpa
Berlin

Zu Hause in Amerika gilt John Forbes Kerry als Kriegsheld. Aber eigentlich zeichnet sich der Mann vor allem dadurch aus, dass er Niederlagen einstecken kann.Die jüngste musste der Fast-Zwei-Meter-Mann im Januar 2009 verkraften. Da hat er sich beworben, wollte Außenminister in der ersten Regierung Barack Obamas  werden. Aber der Präsident entschied sich für Hillary Clinton.

Und John Kerry tat das, was er bei Niederlagen in seinem 40-jährigen Politikerleben immer getan hat: Er trat zurück ins Glied. Klaglos. Er hat als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat versucht, des Präsidenten internationale Agenda im Parlament durchzusetzen, als Obamas loyaler Fußsoldat. Er hat sich dabei auch hartnäckig wieder nach vorn gearbeitet. Am Dienstag macht John F. Kerry in Berlin seinen Antrittsbesuch – als neuer Außenminister der zweiten Regierung Obama. Er kommt auch, ein bisschen, als Berliner.

„Little JFK“ ist ein Spitzname, den der junge Kerry sich als Student an der Elite-Universität Yale eingefangen hat. Es sind  nicht nur die Initialen seines Namens, die an den legendären demokratischen Präsidenten John F. Kennedy erinnern. Es ist auch sein privilegiertes Herkommen aus einer wohlhabenden Diplomatenfamilie von der Ostküste; seine markanten Gesichtszüge; und seine liberale Einstellung, die sich in ihren Idealen an denen seines Helden JFK orientieren.

Der berühmte Satz „Ich bin ein Berliner“

„Ich bin ein Berliner“, hat dieser einst in seinem berühmtesten Satz gesagt. Kerry kann behaupten, „ich war einmal ein Berliner“. Er war zehn Jahre alt, als sein Vater 1954 zum Rechtsberater am US-Hochkommissariat im besetzten Berlin berufen wurde.  Kerry liebt es, von dieser Zeit zu erzählen. Wie er mit dem Fahrrad die Stadt erkundet habe – und wie er einmal in Hausarrest gesteckt wurde, weil er in den Ostsektor geradelt war. „Ich sah den Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Freiheit und Unterdrückung“, sagte er jüngst.

Manche glauben, dass da die Erinnerung, vielleicht auch die Phantasie die Tatsachen etwas verändert. Der junge Kerry war wenig in Berlin, er wurde schon bald auf ein Internat in die Schweiz geschickt, die Sommerferien verbrachte die Familie in der Bretagne, und 1958 wurde der Vater nach Norwegen versetzt. Zweierlei aber ist dem 69-Jährigen aus jener Zeit geblieben: ein rudimentäres Deutsch (der jüdische, zum Katholizismus konvertierte  Großvater Fritz Kohn stammte aus Böhmen) und eine Zuneigung zu Frankreich.

Affinität zu Europa

Beides hat ihm nicht nur Freunde gemacht. Im Wahlkampf 2004, als der Demokrat gegen den Republikaner George W. Bush antrat, hat ihm sein europäisch angehauchter Hintergrund Häme statt Anerkennung eingetragen. Mit seiner zweiten Frau, der Ketchup-Erbin Teresa Heinz, spricht er angeblich oft Französisch. Es kam nicht gut an in der Zeit des Irak-Kriegs, in der das Zerwürfnis zwischen Washington und Paris endgültig schien.

Doch es lag weniger am bisweilen elitären Auftreten des Kandidaten als an einer gewissen Unglaubwürdigkeit, dass Kerry 2004 verloren hat. Der Vietnam-Veteran hat es seinerzeit nicht geschafft hat, sich klug und überzeugend gegen die Anschuldigungen ehemaliger Kriegskameraden zu verteidigen, die behaupteten: Dieser Mann war als Kommandant eines Schnellbootes nicht so heldenhaft, wie er es selbst gern darstellt. Die „swift boat“-Affäre hat die Demokraten das Weiße Haus gekostet. Die Partei hat es Kerry lange nicht verziehen, dass er den Kriegspräsidenten Bush nicht aus dem Amt gejagt hat.

Kerry mit mehr Spielraum als Superstar Clinton

Die „Bewährungsstrafe“ im Senat indes hat er klug genutzt. Im Februar 2008 war es Kerry, der mit dem jetzigen Vizepräsidenten Joe Biden und dem baldigen Verteidigungsminister Chuck Hagel nach Afghanistan reiste und Präsident Hamid Karsai davon überzeugte, seine Versuche zur Wahlfälschung zurückzunehmen. Es war Kerry, der die Stimmen für den START-Abrüstungsvertrag im Senat zusammentrommelte. Er war Obamas Vermittler im Sudan, und er führte einen inspirierten, wenn auch vergeblichen Kampf für eine US-Politik, die dem Klimawandel Rechnung trägt und den Internationalen Strafgerichtshof anerkennt. Und: Er ist ein unverbrüchlicher Europa-Fan.

Hillary Clinton, wenden manche ein, war das auch – trotzdem hat ihr Präsident bisher wenig Interesse an Europa gezeigt. Stimmt. Aber Kerry wird mehr Spielraum haben, als der Superstar Clinton es je hatte. Wo sie um die Welt reiste, um im Auftrag ihres Chefs US-Engagement auf ein Minimum zu reduzieren, kann Kerry eigene Akzente setzen. An Clinton hat Obama, bei aller Freundschaft, nie eine Entscheidung abgetreten. Kerry ist neben Biden und Hagel seit zehn Jahren zentrale Figur als außenpolitischer Mentor Obamas. 

Von Krieg hat Kerry genug gesehen

Schon jetzt zeigt er, dass er das zu nutzen weiß: Clintons erste Reise führte, ganz im Sinne von Obamas transpazifischer Neuorientierung, nach Asien – Kerry beginnt seine Vorstellungsrunde jetzt in London und Berlin und setzt sie dann im Nahen Osten fort. Innerhalb des State Department wird offen darüber geredet, dass er großen Ehrgeiz darein setzt, uralte Verbindungen nach Syrien wiederaufzunehmen und einen Abgang des Diktators Baschar al-Assad auszuhandeln. Da denkt er wie die meisten Europäer. Ganz diplomatisch. Von Krieg nämlich hat der Veteran seit Vietnam genug gesehen. Am vergangenen Mittwoch sagte er in seiner ersten Rede als Außenminister: „Es ist viel billiger, heute Diplomaten zu entsenden als morgen das Militär.“ Keiner hat in dem Moment daran gezweifelt, dass Kerry mehr im Sinn hatte als die finanziellen Kosten.

Die erste Auslandsreise führt den neuen US-Außenminister John Kerry auch nach Berlin, wo er mit Kanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle zusammenkommen wird. Dabei soll es unter anderem um die Pläne für das Freihandelsabkommen gehen.

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