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Politik Johanna Wanka - eine Momentaufnahme
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00:15 12.02.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Johanna Wanka: „In Niedersachsen ist es mir immer gut gegangen“. Quelle: dpa
Hannover

Zweieinhalb Jahre war Johanna Wanka auch für die Kultur in Niedersachsen zuständig. Das reicht nicht, um sich selbst ein Denkmal zu errichten. Ein großes Festival, neue Institutionen werden die Kulturschaffenden kommender Jahre nicht mit dem Namen Johanna Wanka verbinden. Aber auch keinen Skandal.

Bei den Künstlern und Kulturvermittlern in Niedersachsen kam die Nachfolgerin des eher glücklos agierenden Lutz Stratmann gut an. Das lag an ihrer unaufgeregten Art (wobei sie durchaus auch mal böse werden und Betroffene zum Rapport in ihr Büro zitieren konnte) und vor allem daran, dass sie den Kunstschaffenden das Gefühl gab, bei ihr Gehör zu finden. Das ist eine große Qualität. Denn nichts schätzen Künstler so wie Beachtung. 

Wanka spricht schnell, eher leise, aber immer sehr bestimmt, immer mit einem gewissen Nachdruck. Am Tag, bevor Angela Merkel Annette Schavan als Bildungsministerin entlassen und Johanna Wanka als deren Nachfolgerin vorgestellt hatte, haben wir uns zum Mittagessen getroffen: „L’Osteria“ am Thielenplatz in Hannover, ein guter Italiener, der gigantische Pizzen serviert. Wanka hatte das Lokal vorgeschlagen. Sie bestellt „Garganelli Buongustaio“, Nudeln mit Speck, Rucola und Oliven, ich nehme eine Pizza mit Sardellen. Sie hat – ohne dass wir das verabredet hätten – ihren Pressesprecher mitgenommen. Er nimmt Carpaccio. Sehr vernünftig. Denn die Riesenpizza macht jede Menge Arbeit. 

Erste Frage an die Ministerin: Ob sie schon einen Anruf von Angela Merkel bekommen habe. Sie lacht und schüttelt den Kopf „Nein. Und da wird auch keiner kommen.“ Naja. Der Pressesprecher sagt nichts.

Wir trinken Wasser. Früher, sagt Wanka, habe sie bei solchen Mittagessen auch gern mal einen Wein getrunken. Das sei aber vorbei, seit sie Ministerin ist. Kurz streift sie den Fall Busemann. Das scheint ein bisschen auch dem Abchecken des Gesprächspartners zu dienen. Hat er eine Meinung dazu? Ich bleibe unbestimmt. 

Wanka erzählt von ihren Erfolgen in Niedersachsen, davon, was sie für die Kultur auf den Weg gebracht hat. Sie sagt Worte wie „Kulturentwicklungsplan“, „Kulturmonitoring“ und „Interkulturbarometer“. Der Pressesprecher sagt, er könne mir gern noch weiteres Material mailen.

Wanka war in der niedersächsischen Kulturszene schnell vernetzt. Anders als bei ihrem Vorgänger hatte man nie das Gefühl, dass sie irgendwelchen kulturellen Themenbereichen eher fremd gegenübersteht. Sie rief gern zu Konferenzen. Sie hörte sich an, was die Künstler und Kulturvermittler zu sagen haben. Und sie kümmerte sich dabei auffallend stark um die kleine Kultur: Amateurtheater, kleine Museen auf dem Land, Laienkultur, kulturelle Weiterbildung von Erzieherinnen im Kindergarten, solche Sachen. Damit errichtet sich ein Minister kein Denkmal, aber die Förderung solcher Initiativen von unten kann viel bewirken.

Die Kulturszene Niedersachsens schätzt Wanka – und zwar unabhängig von Parteizugehörigkeiten. Die Ministerin hat allen das Gefühl vermittelt, dass ihr Kultur wichtig ist und dass Kultur dem Land etwas wert sein sollte. Das hat sich dann auch in Zahlen ausgedrückt: Das Kulturressort war von Einsparungen ausgenommen.

Und was hat nicht so geklappt? Wo hat sie Fehler gemacht? Wie alle Politiker wird auch Wanka einsilbig, wenn man nach Schwachstellen forscht. Aber dann sagt sie doch etwas. Sie erzählt von einer Auseinandersetzung über die Leuphana-Universität in Lüneburg. Und von Manfred Sohn, dem Linken, der ihr nach einer scharfen Diskussion den Satz gesagt habe: „Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz ist sehr schmal.“ Sie lächelt ihr schnelles Mädchenlächeln, das den Satz unterstreichen soll – und es scheint, als fühle sie sich mit den Worten des Linken ganz gut beschrieben. 

Schnell kommt sie wieder auf das, was gut gelaufen ist in Niedersachsen. Zum Beispiel ihre Personalentscheidungen. Wanka hat eigentlich immer richtig gelegen. Heike Pöppelmann als Leiterin des Braunschweiger Landesmuseums. Katja Lembke als Leiterin des Landesmuseums Hannover – das waren hervorragende Personalentscheidungen. 

Beim Personalthema plaudert die Ministerin ein bisschen aus dem Nähkästchen. Als sie „... und da wollten die so ’ne CDU-Tussi hinsetzen“ sagt, fällt sie sich selbst ins Wort, weil ihr aufgefallen ist, dass ich mitschreibe. „Aber das schreiben Sie bitte nicht“, sagt sie und ich versuche nicht zu nicken. Was nicht ganz einfach ist. 

Wanka hat viel im Blick, sie reagiert schnell und sie ist hervorragend vernetzt. Namen sind ihr wichtig, auch wenn die Leute dazu keine große Rolle spielen. Einmal will ihr der Name eines PR-Mannes nicht einfallen. Ein Blick zu ihrem Pressesprecher genügt, schon schiebt er sein Carpacchio beiseite und googelt den Namen in seinem Blackberry. Dann sagt er ihn und Wanka nickt beiläufig. Sie ist schon beim nächsten Punkt.

Der Blackberry ist wahrscheinlich ein Dienstgerät, denn Wanka verwendet auch einen. Am Ende holt sie ihn aus ihrer Handtasche und tippt darauf herum, bis sie das Nachrichteneingangsfach geöffnet hat. Zuvor habe ich sie nach ihrem Verhältnis zu Christian Wulff gefragt. Sie registriert die Frage, schweigt einen Moment und sagt „Ich habe ihm viel zu verdanken, denn er hat mich nach Niedersachsen geholt. Und hier ist es mir immer gut gegangen.“

Dann zeigt sie mir das Display des Handys: eine SMS von Christian Wulff. Er beglückwünscht sie zu ihrer neuen Aufgabe. Welche auch immer er damit gemeint hat.

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