Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Jeder vierte Ostdeutsche fühlt sich als Verlierer
Mehr Welt Politik Jeder vierte Ostdeutsche fühlt sich als Verlierer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:30 21.07.2009
Von Reinhard Urschel
Mit dem Trabant verschwindet auch ein Stück Ostalgie von den Straßen des geeinten Deutschlands. Quelle: : Michael Kappeler/ddp
Anzeige

Der Umfrage zufolge gaben lediglich 18 Prozent an, die deutsche Einheit sei vor allem ein Gewinn, 20 Prozent fanden noch, sie sei mehr Gewinn als Verlust. Demgegenüber betrachteten sich 23 Prozent als Verlierer. 30 Prozent der Befragten hielten danach Gewinn und Verlust für gleich groß. Die Verbundenheit mit der Bundesrepublik ist am größten bei den unter 30-Jährigen, die beim Fall der Mauer noch Kinder waren.

Dass sich im Jubiläumsjahr die Umfragen nach dem Befinden der Deutschen häufen, ist sicher kein Zufall. Nun hat auch die „Volkssolidarität“ die Bürger im Osten des Landes befragen lassen. Im Auftrag des Sozialverbandes, der schon zu DDR-Zeiten bestanden hat und daher den Bürgern im Osten sehr vertraut ist, hatte das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg rund 1900 Ostdeutsche befragt.

Anzeige

Der Präsident des Sozialverbands Volkssolidarität, Gunnar Winkler, sagte bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin, das Gefühl, ein Bürger zweiter Klasse zu sein, sei „mehrheitlich nicht mit allgemeiner Unzufriedenheit verbunden, sondern mit dem Fehlen von Möglichkeiten, die Angleichung an westliche Lebensverhältnisse durch eigenes Handeln erreichen zu können“. So fühle sich die Mehrheit der Ostdeutschen nicht oder noch nicht „hinreichend als Bundesbürger integriert“. Diese Haltung werde vor allem durch die gegenwärtige Wirtschaftssituation, den damit verbundenen sozialen Status sowie geringe Zukunftserwartungen beeinflusst, erklärte Winkler.

Nur rund ein Drittel der über 35-Jährigen fühle sich „hinsichtlich ihres Lebens in der DDR“ anerkannt, ein weiteres Drittel „teilweise“. Hingegen fühlten sich 25 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern als „richtige Bundesbürger“.

Fragt man nach der allgemeinen Zufriedenheit, ohne einen Vergleich zwischen früher und heute zu ziehen, fallen die Urteile der Ostdeutschen ein wenig milder aus. So zeigten sich 40 Prozent der Befragten „zufrieden“ und vier Prozent „sehr zufrieden“. Kaum überraschend ist die Erkenntnis, dass die allgemeine Zufriedenheit nach 1990 zunächst rapide zugenommen hat, seitdem sei sie aber intervallartig gesunken.

Ein besonderes Thema ist nach wie vor die Ausländerfeindlichkeit. 40 Prozent der Befragten in den neuen Bundesländern seien negativ gegenüber Ausländern eingestellt, obgleich nur zwei Prozent der Bevölkerung Ausländer seien, steht in der Studie. Eine mögliche Ursache der Fremdenfeindlichkeit sieht Winkler darin, dass die Menschen in der DDR „das Zusammenleben mit Ausländern nicht gekannt“ und daher fremdenfeindliche Klischees übernommen hätten.

Alexander Dahl 20.07.2009
20.07.2009