Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Japan lässt chinesische Fischer frei
Mehr Welt Politik Japan lässt chinesische Fischer frei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:23 13.09.2010
Konflikt im ostchinesischen Meer zwischen Japan und China.
Konflikt im ostchinesischen Meer zwischen Japan und China. Quelle: ap
Anzeige

Nach einem Seezwischenfall mit China lässt Japan 14 Besatzungsmitglieder eines chinesischen Fischerbootes ausreisen. Die Mannschaft werde das Land noch am Montag in einer Chartermaschine Richtung Heimat verlassen, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo Regierungssprecher Yoshito Sengoku in Tokio. Auch das Schiff werde freigegeben, hieß es. Ausgenommen ist allerdings der Kapitän, gegen den in Japan ein Strafverfahren eingeleitet worden ist. Der Vorfall hatte für Verstimmung zwischen den beiden Ländern gesorgt.

Chinas Außenministerium hatte Japans Botschafter in Peking innerhalb von fünf Tagen gleich viermal einbestellt - zuletzt am Sonntag in den frühen Morgenstunden, um den Druck auf Tokio zu erhöhen. Er „bedauere“ dies, sagte dazu Japans Regierungssprecher. Das Fischerboot war in einem umstrittenen Seegebiet um die Diaoyu Inseln nordöstlich von Taiwan von der japanischen Küstenwache aufgebracht worden. Die Inseln werden von Japan kontrolliert, aber auch von China und Taiwan beansprucht. Dem 41-jährigen Kapitän wird vorgeworfen, absichtlich ein Boot der japanischen Küstenwache gerammt zu haben.

Japan beansprucht die Inseln, die auf Japanisch Senkaku genannt werden, genauso wie China. In dem seit langem schwelenden Streit geht es auch um Ölvorkommen in der Region. Während die Regierung in Tokio versuchte, die Aufregung zu dämpfen, war die Empörung in Peking groß. Im Außenministerium war Japans Botschafter aufgefordert worden, das „illegale Aufbringen“ von chinesischen Schiffen zu beenden. Japan wurde gewarnt, dass die Beziehungen ernsthaft Schaden nehmen könnten.

Machtkampf in Japan: Bekommt Nippon schon wieder neuen Premier?

In Japan entscheidet sich an diesem Dienstag, ob das Land inmitten der Wirtschaftskrise schon wieder einen neuen Premier bekommt. Ichiro Ozawa, einer der einflussreichsten Politiker des Landes, will Regierungschef Naoto Kan bei der Wahl zum Vorsitzenden der regierenden Demokratischen Partei (DPJ) vom Thron stoßen. Sollte der im Volk unbeliebte 68-jährige Ozawa, der mit einem Finanzskandal in Verbindung gebracht wird, das Kopf-an-Kopf-Rennen gewinnen, würde er der dritte Premier innerhalb nur eines Jahres werden. Der Chef der Regierungspartei wird in Japan gewöhnlich auch der Ministerpräsident.

Der erst seit rund drei Monaten amtierende Kan, der fünfte Premier in nur vier Jahren, hatte im Volk zuletzt stark an Unterstützung eingebüßt. Dazu trug bei, dass er sich ausgerechnet kurz vor einer Oberhauswahl für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ausgesprochen hatte. Prompt verlor seine Demokratische Partei DPJ bei der Wahl im Juli ihre Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer. Sein Kontrahent Ozawa wirft Kan vor, das Wahlsprechen der DPJ nicht einzulösen, der Bürokratie des Landes die Macht über die Politik zu entreißen.

Die Mehrheit der Wähler steht laut jüngsten Umfragen dennoch hinter Kan. Innerhalb der Partei führt Ozawa die größte Machtgruppe an, hatte allerdings zuletzt an Einfluss eingebüßt. Mit seiner Kandidatur will Ozawa laut Beobachtern vermeiden, ganz ins Abseits zu geraten. Der Mann steht im Ruf, kein sauberer Politiker zu sein, der schon im korrupten alten System der LDP die Strippen zog. 1993 verließ er die Partei und schloss sich der Opposition an.

Ozawa gilt als Stratege des historischen Sieges der Demokratischen Partei bei der Unterhauswahl Ende August vergangenen Jahres, als sie die LDP nach mehr als 50 Jahren fast ununterbrochener Herrschaft von der Macht verdrängte. Bald darauf musste Ozawa jedoch wegen Finanzskandalen als Generalsekretär der Partei zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Yukio Hatoyama zurückgetreten. Viele Japaner sind nicht zuletzt wegen der Skandale von der DPJ enttäuscht.

apd/dpa

13.09.2010
Politik Vorstand der Bundesagentur für Arbeit im Gespräch - Alt: „Deutschland ist die Lokomotive“
Alexander Dahl 12.09.2010