Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Israel rätselt über mysteriösen „Häftling X“
Mehr Welt Politik Israel rätselt über mysteriösen „Häftling X“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:58 14.02.2013
Im Ayalon-Gefängnis im Tel Aviver Vorort Ramleh wurde Ben Zygier gefangengehalten. Quelle: Reuters
Tel Aviv

Zwei Jahre lang gelang es dem Staat, die Affäre mit einer rigiden Nachrichtensperre für Journalisten unter Verschluss zu halten – bis jetzt. In Israel werden Fragen laut zu Demokratie, Pressefreiheit und Zensur. Ein bemerkenswerter Artikel fand sich auf einer von Israels wichtigsten Nachrichtenwebseiten vor zwei Tagen. Der „Haaretz“-Chefredakteur berichtete, dass er in dieser Woche mit den Chefs anderer Medien vom Premier zu einem dringenden Gespräch einberufen worden war. Benjamin Netanjahu wollte nicht plaudern: Er machte den Journalisten klar, dass sie über eine gewisse Angelegenheit nichts berichten dürften, um die „nationale Sicherheit“ nicht zu gefährden.

Exakt zur selben Zeit tobte in australischen Medien bereits der Skandal um den Tod von Ben Zygier. Der australische Jude wanderte vor zehn Jahren nach Israel ein und trat in den Dienst des Geheimdiensts Mossad. Am 15. Dezember 2010 starb er in der angeblich sichersten Gefängniszelle Israels in völliger Isolation – was Israels Regierung gestern bestätigte.

Zygier war im Alter von 24 Jahren in Israel eingewandert. Er diente in der israelischen Armee, später heiratete er eine israelische Staatsbürgerin, bekam zwei Kinder. Wann der Rechtsanwalt in den Dienst des Mossad trat, ist unbekannt. Auch welche Aufgaben er für den Auslandsgeheimdienst erfüllte, weiß niemand. Manche vermuten, er habe eine Strohfirma in Europa betrieben, die Iran elektronische Geräte verkaufte, die vom Geheimdienst zuvor präpariert worden waren.

Doch irgendwann sah Israel in Zygier offenbar eine Bedrohung: Er wurde in einem Geheimverfahren verhaftet und in Israels sicherste Gefängniszelle gesteckt. Zelle 15 im Ayalon-Gefängnis im Tel Aviver Vorort Ramleh wurde eigens für den Mörder des israelischen Premiers Jitzchak Rabin gebaut. Kameras überwachen den isolierten Häftling rund um die Uhr. Ein Journalist bekam davon Wind, er berichtete – und erhielt Besuch vom Geheimdienst. Ein Gericht verbot, „Häftling X“ jemals wieder zu erwähnen. Dass Zygier später in seiner Zelle starb, weckt deshalb nun Misstrauen. Manche munkeln, der junge Mann sei ermordet worden, um seine Geheimnisse mit ihm zu begraben.

In Israel ist nach Bekanntwerden des Falls eine neue Debatte über die Zensur-Praxis entbrannt. Per Gesetz müssen Informationen, die die nationale Sicherheit betreffen, vor Veröffentlichung dem Zensor vorgelegt werden. Der kann notfalls vor Gericht eine Nachrichtensperre beantragen. So kommt es zu absurden Situationen. Manchmal steht in israelischen Zeitungen nichts über Affären, über die man im Internet oder im Ausland bereits alles erfahren kann. Israelische Journalisten, denen geheime Informationen zugespielt werden, geben diese manchmal an Kollegen im Ausland weiter, um sie dort zuerst veröffentlichen zu lassen.

Von Gil Yaron

Die Bürger müssen sich in den kommenden Wochen auf Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Länder einstellen. Das kündigte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstagabend in Potsdam nach der zweiten ergebnislosen Runde der Tarifverhandlungen an.

14.02.2013

Weißer Rauch bei der Bundesregierung: Die zuletzt mit eigenen Konzepten aneinander vorbei agierenden Minister Altmaier und Rösler wollen mit einem gemeinsamen Konzept die Strompreise begrenzen. Doch ob die Strompreisbremse nun rasch kommt, ist weiter ungewiss.

14.02.2013

Die CSU nimmt Peer Steinbrück ins Visier, die anderen Matadore knüpfen sich vor allem Horst Seehofer vor. Zum Aschermittwoch schalten die Parteien in den Wahlkampfmodus – und schenken sich nichts.

13.02.2013