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Politik Islamistische Terrorgruppe hinter Anschlägen in Jakarta vermutet
Mehr Welt Politik Islamistische Terrorgruppe hinter Anschlägen in Jakarta vermutet
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15:14 19.07.2009
Im ganzen Land wurden am Wochenende die Sicherheitvorkehrungen verschärft. Quelle: ROMEO GACAD/AFP
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Die bei dem Doppelanschlag eingesetzten Bomben ähnelten denen früherer JI-Anschläge, erklärte die Polizei am Sonntag. Das Sicherheitsministerium vermutete hinter der Tat eine von dem Islamisten Noordin Mohammed Top geführte Splittergruppe der JI.

Die in einem Zimmer des Marriott-Hotels in der Hauptstadt Jakarta gefundene und nicht detonierte Bombe gleiche in ihrer Bauart und den verwendeten Materialien den Sprengsätzen früherer JI-Anschläge, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag vor Journalisten. Auch bei einer kürzlich vorgenommenen Durchsuchung einer islamischen Schule, die mit der Terrorgruppe in Verbindung stehen soll, sei eine ähnliche Bombe gefunden worden.

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Der Chef des Antiterrorstabs im indonesischen Sicherheitsministerium, Ansyaad Mbai, sah in dem Einsatz von Selbstmordattentätern mit selbstgebauten Bomben „deutliche Hinweise“ dafür, dass eine JI-Splittergruppe um den Terrorführer Noordin Top für die Tat verantwortlich sei. Der in Malaysia geborene Mann gilt als Drahtzieher mehrerer blutiger Anschläge in den vergangenen Jahren und ist der in Indonesien meistgesuchte Extremist.

Bei dem nahezu zeitgleichen Doppelanschlag am Freitag auf die Hotels Marriott und Ritz-Carlton in Jakarta wurden nach Angaben des Außenministeriums mindestens acht Menschen getötet, darunter die zwei Attentäter. Die Polizei sprach von neun Toten und mehr als 50 Verletzten. Drei der Todesopfer kamen aus Australien, eines aus Neuseeland und eines aus Singapur.

Ebenso wie die vom Terrornetzwerk El Kaida inspirierte JI wird Noordin Top unter anderem mit dem blutigen Anschlag auf Bali im Jahr 2002 mit 202 Toten in Verbindung gebracht. JI kämpfte jahrelang mit dutzenden Anschlägen für einen Gottesstaat in Südostasien, der neben Indonesien auch Malaysia, Singapur, Brunei, den Süden Thailands und die südlichen Philippinen umfassen sollte. In den vergangenen Jahren hatte es den Anschein gehabt, als sei es der indonesischen Regierung gelungen, die von der Gruppe ausgehende Gefahr mit Massenverhaftungen sowie Amnestieangeboten einzudämmen. Noordin Top hingegen galt weiterhin als gefährlicher Vertreter eines radikalen Islamismus.

Die Polizei arbeitete am Sonntag daran, die beiden Selbstmordattentäter zu identifizieren. Nach Angaben eines Sprechers versuchten die Ermittler, das Gesicht eines Attentäters wieder herzustellen, dessen Kopf bei der Detonation abgerissen worden war. Der Sprecher dementierte Berichte, wonach einer der Attentäter bereits identifiziert sei.

Im ganzen Land wurden am Wochenende die Sicherheitvorkehrungen verschärft. Die Polizei rief Hotels und Einkaufszentren zu erhöhter Wachsamkeit auf und versetzte ihre Beamten in Alarmbereitschaft. Die Fußballmannschaft von Manchester United sagte ein für Montag geplantes Spiel in Indonesien ab.

US-Außenministerin Hillary Clinton rief während eines Besuchs in Indien dazu auf, den Kampf gegen den Terrorismus entschieden fortzusetzen. Die Außenminister der südostasiatischen Staatengruppe ASEAN verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Anschläge in Jakarta und sicherten der indonesischen Regierung ihre Unterstützung bei der Suche nach den Tätern zu.

AFP