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Politik Iran nimmt zwei deutsche Journalisten fest
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19:28 11.10.2010
Die festgenommen Journalisten sollen ein Interview mit dem Sohn von Steinigungsopfer Sakineh Mohammadi Aschtiani geführt haben.
Die festgenommen Journalisten sollen ein Interview mit dem Sohn von Sakineh Mohammadi Aschtiani geführt haben. Quelle: afp
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Im Iran sind zwei deutsche Reporter während der Recherche zu einem weltweit kritisierten Steinigungsurteil festgenommen worden. Die beiden Ausländer seien mit Touristenvisum eingereist und hätten den Sohn der verurteilten 43-jährigen Sakineh Mohammad-Aschtiani interviewt. Das sagte der Sprecher der iranischen Justiz, Gholam-Hussein Mohseni-Edzehi, am Montag der Agentur ISNA. Die Reporter müssten bis zur Klärung der Angelegenheit in Haft bleiben. Der Iran hatte im Sommer das Steinigungs-Urteil gegen Mohammad-Aschtiani vorläufig ausgesetzt.

Eine Sprecherin des Auswärtige Amtes in Berlin sagte am Abend der Nachrichtenagentur dpa, gemeinsam mit der deutschen Botschaft in Teheran sei man „auf verschiedenen Ebenen intensiv um Aufklärung der genauen Umstände bemüht“. Details könne man aber zunächst nicht nennen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die sofortige Freilassung der beiden deutschen Journalisten. Das iranische Außenministerium kündigte für Dienstag eine Pressekonferenz zu dem Vorfall an.

Nach unbestätigten Angaben handelt es sich bei den Festgenommenen um einen Journalisten und einen Fotografen. Die iranische Menschenrechtlerin Mina Ahadi geht davon aus, dass auch der Sohn Mohammad-Aschtianis festgenommen wurde. Sie sei telefonisch aus Deutschland zu einem Gespräch mit dem Sohn hinzugeschaltet worden, um als Übersetzerin zu fungieren, sagte Ahadi in Köln der dpa. Ahadi ist auch Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime.

Die Deutschen waren nach iranischen Angaben als Touristen ins Land gereist, um mit dem Sohn der Frau im Nordwesten des Landes ein Interview zu führen. Einer der Anwälte der Frau habe das Interview vom Ausland aus arrangiert und den Sohn gebeten, mit den beiden Reportern zu kooperieren, sagte der iranische Justizsprecher Mohseni- Edzehi.

Im Iran werden Ausländer wegen angeblicher Gesetzesverstöße mitunter monatelang in Haft gehalten. Zuletzt hatte das Schicksal von drei US-Bürgern für Aufsehen gesorgt. Die zwei Männer und eine Frau waren nach eigenen Angaben versehentlich beim Wandern auf iranisches Gebiet geraten. Mitte September kam die gesundheitlich angeschlagene US-Bürgerin nach 15 Monaten Haft gegen eine Kaution von 500.000 Dollar (359.000 Euro) frei. Die Männer blieben wegen Spionageverdachts weiter in Haft.

Unterdessen forderten die iranischen Behörden die Korrespondentin der spanischen Zeitung „El País“ auf, das Land binnen zwei Wochen zu verlassen. Ángeles Espinosa sei ohne jede offizielle Erklärung die Aufenthaltserlaubnis entzogen worden, berichtete das linksliberale Blatt am Montag in Madrid. Die für ihre kritischen Berichte bekannte Journalistin müsse bis spätestens 24. Oktober ausgereist sein.

Espinosa war im Juli dieses Jahres in der Stadt Ghom vorübergehend festgenommen worden, weil sie den Sohn des 2009 verstorbenen regimekritischen Großajatollahs Hussein Ali Montaseri interviewt hatte.

Im Iran brauchen alle ausländischen Journalisten, Fotografen und Kameramänner eine Akkreditierung durch das Kultusministerium. Ohne diese Genehmigung droht sowohl Ausländern als auch deren persischen Mitarbeitern Inhaftierung. Die ausländischen Reporter werden dann meistens ausgewiesen. Zudem landen sie und ihre Unternehmen auf der schwarzen Liste unerwünschter Personen, die dann bis auf weiteres kein Pressevisum mehr für den Iran erhalten.

Bei dem heiklen Thema Steinigungsurteil gegen Mohammad-Aschtiani wären jedoch nach Einschätzung von Experten auch Journalisten mit Akkreditierung festgenommen worden, weil das Kultusministerium für solch ein Interview nie eine Genehmigung gewähren würde. Auch dem Sohn der Frau war vorgeschrieben worden, keine Interviews mit ausländischen Medien zu führen. Überhaupt sind die Aktivitäten der ausländischen Presse seit der umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahl im Juni letzen Jahres und der darauffolgenden Straßenproteste stark eingeschränkt.

dpa/afp

Wiebke Ramm 11.10.2010
11.10.2010