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Politik Irakischer Schuhwerfer Saidi nach neunmonatiger Haft frei
Mehr Welt Politik Irakischer Schuhwerfer Saidi nach neunmonatiger Haft frei
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15:35 15.09.2009
Wieder frei: Muntaser el Saidi.
Wieder frei: Muntaser el Saidi. Quelle: AFP
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Er sei im Gefängnis gefoltert worden, sagte der 30-Jährige am Dienstag bei einer Pressekonferenz bei seinem früheren Arbeitgeber, dem Fernsehsender El Baghdadia. Saidi, dessen Aktion in der arabischen Welt umjubelt worden war, erwartete ein Heldenempfang.

Bei einem Bush-Besuch im Dezember hatte Saidi auf einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe in Richtung des damaligen US-Präsidenten geworfen und dabei gerufen: „Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!“ Bush duckte sich weg. Der Journalist wurde festgenommen und wegen Angriffs auf ein ausländisches Staatsoberhaupt zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt. Einen Menschen mit einem Schuh zu bewerfen bedeutet eine schwere Beleidigung in der muslimischen Welt, ebenso wie die Beschimpfung als „Hund“.

Ein Berufungsgericht verkürzte die Strafe später auf ein Jahr. Wegen guter Führung wurde er nun nach neun Monaten entlassen. „Die Entscheidung zeigt die Integrität und die Gerechtigkeit der irakischen Justizbehörden“, sagte Saidis Anwalt Dhiya el Saadi. Sie sei ohne jegliche Einflussnahme von außen getroffen worden.

Mit seiner Schuh-Attacke auf Bush habe er die Opfer des Irak-Kriegs „rächen“ wollen, sagte Saidi nach seiner Freilassung bei einem Besuch in der Redaktion von El Baghdadia. „Die Möglichkeit dazu hat sich geboten, und ich habe sie nicht verstreichen lassen“, sagte er. Indem er seine Schuhe in die „kriminelle Visage“ des damaligen US-Präsidenten geschleudert habe, wollte er seinen Abscheu gegenüber dessen „Lügen“ und der „Besatzung“ des Irak deutlich machen. Künftig wolle er sich sozial engagieren und für Witwen und Waisen einsetzen, sagte der 30-Jährige.

Saidi warf den Gefängnisbehörden vor, ihn gefoltert zu haben. „Während Ministerpräsident Nuri el Maliki auf allen Kanälen behauptet hat, er könne nicht schlafen, solange er nicht wegen meines Schicksals beruhigt worden sei, wurde ich auf das Schlimmste gefoltert.“ Er sei mit Stromkabeln und Eisenstangen geschlagen worden. Seine Bewacher hätten ihn auch ins Wasser getaucht und das Ertrinken simuliert. Zudem sei er an Orten festgekettet gewesen, an denen er der Kälte ausgesetzt gewesen sei. Regierungschef Maliki müsse sich bei ihm entschuldigen, weil dieser die Wahrheit über seine Haftbedingungen vertuscht habe.

Der Privatsender El Baghdadia mit Sitz im ägyptischen Kairo hatte dem 30-Jährigen sein Gehalt auch während der Haft weitergezahlt. Als Belohnung für die Berühmtheit, die er auch dem Sender einbrachte, sollte er von diesem ein Haus erhalten.

Familie und Freunde bereiteten in Saidis Wohnung in der irakischen Hauptstadt ein Willkommensfest vor. Zur Feier des Tages sollte ein Schaf geschlachtet werden. Der Emir von Katar wollte ihm laut Saidis Bruder Durgham ein Pferd aus Gold schenken, der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi wolle ihm einen Orden verleihen, andere hätten Sportwagen versprochen. Zudem erhielt er Heiratsangebote von zahlreichen Frauen. In den kommenden Tagen wird er nach Angaben seiner Familie ins Ausland reisen, um sich für die große Unterstützung zu bedanken.

afp