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Politik Iraker erwarten mit Spannung US-Truppenrückzug
Mehr Welt Politik Iraker erwarten mit Spannung US-Truppenrückzug
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12:43 26.06.2009
Nur wenige US-Streitkräfte sollen noch in den Städten im Irak bleiben, um ihre irakischen Kollegen auszubilden - die restlichen der noch rund 131.000 amerikanischen Soldaten werden sich auf ihre Hauptstützpunkte zurückziehen. Quelle: Ahmad Al-Rubaye/afp

Zwar werden Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge weiter in den Straßen patrouillieren - so, wie es die Iraker seit dem Einmarsch der US-Streitkräfte im Jahr 2003 kennen. Nur werden es von nun an ausschließlich einheimische Truppen und Polizisten sein.

Nur wenige US-Streitkräfte sollen noch in den Städten bleiben, um ihre irakischen Kollegen auszubilden - die restlichen der noch rund 131.000 amerikanischen Soldaten werden sich auf ihre Hauptstützpunkte zurückziehen. Nur wenn die irakische Seite ausdrücklich darum bittet, stehen sie zur Unterstützung bereit.

Die irakischen Sicherheitskräfte - rund eine halbe Million Polizisten und eine Viertelmillion Soldaten - haben indes schon lange die Führung übernommen. Irakische Politiker geben sich zuversichtlich, dass es den einheimischen Kräften gelingt, künftig selbst für die Sicherheit in dem Land mit seinen rund 30 Millionen Bewohnern zu sorgen. Gleichzeitig räumen sie aber ein, dass es noch eine ganze Reihe von Hindernissen zu überwinden gilt. So warnte Regierungschef Nuri el Maliki jüngst, Anschläge des Terrornetzwerks El Kaida würden voraussichtlich zunehmen, um das Vertrauen in die irakischen Sicherheitskräfte zu zerstören.

Es ist in der Tat die große Frage, ob sich die Sicherheitslage im Land auf Dauer verbessern wird. Zwar war in den vergangenen Monaten die Zahl der Anschläge deutlich zurückgegangen. Je näher aber der 30. Juni rückt, desto zahlreicher und brutaler werden die Attentate wieder: Seit Monatsanfang starben mehr als 200 Menschen durch Bombenanschläge, ein besonders verheerender mit über 60 Toten ereignete sich Mittwoch in Bagdads schiitischem Stadtteil Sadr City. Bereits Samstag hatten US-Streitkräfte einen Stützpunkt in Sadr City an die Iraker übergeben.

Nicht nur ihre Stützpunkte, sondern auch die 11.000 Häftlinge, die noch in US-Gefangenenlagern im Irak einsitzen, wollen die US-Truppen den Irakern übergeben - oder sie freilassen. Das letzte US-Gefangenenlager wird im August 2010 schließen. Bis dahin sollen auch die meisten US-Soldaten das Land verlassen, nur etwa 50.000 werden noch bis zum endgültigen Abzug Ende 2011 im Zweistromland stationiert bleiben.

Die Iraker sind uneins, was sie vom Rückzug der US-Armee halten sollen. Die Sunniten, die sich einst mit Gewalt gegen die US-Truppen stellten, wären jetzt froh, wenn die Amerikaner blieben. Nicht zuletzt, weil die Sicherheitskräfte im heutigen Irak von den Schiiten dominiert werden: „Iraks Sicherheitskräfte sind noch nicht fähig, Verantwortung zu übernehmen“, sagt der pensionierte Polizist Chalid Ghafori: „Und sie haben Vorurteile gegen die Leute hier“, sagt er mit Blick auf sein Wohnviertel, den sunnitischen Bezirk Adhamija in Bagdad.

Auch Ghaforis Freunde machen sich Sorgen: „Die irakische Armee ist nicht gut organisiert und nicht diszipliniert - wenn die Amerikaner abziehen, entsteht hier ein Sicherheitsvakuum“, warnt Madschid Schab Ahmed: „Unter dem Märtyrer Saddam Hussein waren wir vereint, leider sind wir jetzt geteilt“, klagt er.

Die Schiiten, die die Ankunft der US-Truppen 2003 bejubelten, sehen sie jetzt mit Freuden abziehen: „Es gefällt uns nicht, vom Ausland besetzt zu sein“, sagt ein Imbiss-Besitzer in Sadr City. Dass er die US-Streitkräfte loswerden will, heißt nicht, dass er den eigenen Truppen traut: „Ob sich unsere Armee benimmt?“, fragt er zweifelnd - denn, davon ist er überzeugt, die irakischen Soldaten plündern, und auch manche Entführung gehe auf ihr Konto. Ein junger Mann, der seit einer Verletzung durch ein US-Schrapnell arbeitsunfähig ist, sagt, er hoffe trotzdem, dass die US-Soldaten verschwänden. Was die Zukunft angehe, sei Optimismus gefragt: „Eine Alternative haben wir ja nicht.“

afp

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