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Politik "Schmidt war das Gewissen der Nation"
Mehr Welt Politik "Schmidt war das Gewissen der Nation"
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12:46 11.11.2015
"Kettenraucher ohne Rücksicht auf Rauchverbote": Internationale Medien wie die Neue Zürcher Zeitung berichten über den Tod von Helmut Schmidt (Archivbild von 2012). Quelle: Angelika Warmuth/dpa
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Hannover

Der Tod von Helmut Schmidt beschäftigt die Medien weit über Deutschlands Grenzen hinaus. In den USA, in Großbritannien und vielen anderen Ländern berichteten Journalisten über den Tod des Altkanzlers und würdigten dessen Verdienste. Eine Auswahl internationaler Reaktionen:

New York Times, USA

Die New York Times beschreibt Schmidt als "attraktiv, geistreich und äußerst selbstbewusst". Er sei ein "begnadeter und kämpferischer Redner" gewesen und habe Deutschland in den 1970er Jahre oft mit "scharfzüngiger Ungeduld" geführt.

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BBC, Großbritannien

Die BBC nennt Schmidt "West Germany's Cold War master of realpolitik" und schreibt über ihn: "Helmut Schmidt war ein weitsichtiger Politiker und Wirtschaftsstratege, der West-Deutschland in den turbulenten 1970er Jahre führte und erlebte, wie sein Ziel eines wiedervereinten Deutschlands sich erfüllte. (...) Im Ruhestand war er ein beliebter Kommentator, der die nationale und internationale Politik offen kritisierte."

Aftenposten, Norwegen

"Bei einigen Menschen hat man das Gefühl, dass sie ewig leben, dass sie schon immer hier gewesen sind und immer hier sein werden. So war das mit Helmut Schmidt. Der ehemalige Bundeskanzler (...) hatte eine einzigartige Position in der deutschen Gesellschaft: pragmatischer Weiser, begabter Redner und leidenschaftlicher Raucher."

Il Messaggero, Italien

"Für die nicht mehr ganz jungen Italiener ist Schmidt der beherrschte und zugleich spöttische Herr, der belustigt auf Präsident Sandro Pertini schaut, der begeistert aufspringt bei den Toren der Azzurri im historischen Endspiel Italien-Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1982 (das wir gewannen)."

Neue Zürcher Zeitung, Schweiz

"Seine große Beliebtheit auch bei Deutschen, die ihn nie oder nur als Kinder als Bundeskanzler erlebt hatten, verdankte Schmidt gerade seiner unverblümten Art. Er war, nicht nur als Kettenraucher ohne Rücksicht auf Rauchverbote, das personifizierte Gegenteil der politischen Korrektheit und erfüllte so die Sehnsucht der Öffentlichkeit nach dem ehrlichen, unbequemen und durchaus autoritären Staatsmann."

Der Standard, Österreich

"Während seiner Kanzlerschaft wurde Helmut Schmidt respektiert und von vielen auch gefürchtet – verehrt aber haben ihn die Deutschen erst im hohen Alter. (...) Von jener Beliebtheit, die Schmidt im hohen Alter entgegengebracht wurde, war er während seiner Kanzlerschaft übrigens weit entfernt: Umstritten war nicht nur sein atomfreundlicher Kurs, sondern auch sein Bemühen um den Nato-Doppelbeschluss."

Le Monde, Frankreich

"Helmut Schmidt war ein Visionär in der Wirklichkeit. (...) Von allen französisch-deutschen Paaren war das des ehemaligen Kanzlers mit dem früheren Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing das aufrichtigste."

Washington Post, USA

"Obwohl die Bundesrepublik in ihren frühen Jahren mit Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Willy Brandt drei weltweit geachtete Kanzler hatte, war es Schmidt, der vielerorts als der fähigste Kanzler galt. Er verkörperte die Wandlung Westdeutschlands auf dem Wege zu einer durchsetzungsstarken, selbstbewussten und unabhängigen Politik."

Rossijskaja Gaseta, Russland

"Es fällt schwer, über Helmut Schmidt zu schreiben, wenn er nicht mehr da ist. (...) Noch vor kurzem hat Deutschland, den Atem anhaltend, seinen Worten gelauscht und seine neuen Bücher erwartet. Schmidt war das Symbol und Gewissen der Nation, der Kriegs- und der Nachkriegsgeneration der Bundesrepublik. Er war das Metronom, anhand dessen, das kann man sagen, Deutschland seine Schritte maß."

The Guardian, Großbritannien

"Schmidt war nicht nur hervorragend in der Kunst der Politik und Staatsführung; er wusste das auch, und er stellte sicher, dass dies jedermann bewusst wurde. (...) Er leugnete jedes Verlangen nach Macht und Wohlstand, gierte aber nach öffentlicher Anerkennung."

De Volkskrant, Niederlande

"Seine offene Eitelkeit, große Schnauze und sein Mangel an politischer Korrektheit waren in den 50er und 60er Jahren in der deutschen Politik selten. Dass er später gerade für diese Eigenschaften geschätzt wurde, sagt viel über die Veränderung aus, die sich während der 96 Lebensjahre von Schmidt in der deutschen Gesellschaft vollzogen hat. Außerdem entpuppte sich ausgerechnet der Mann, der einst weit entfernt von Visionen war, rückwirkend als Visionär."

dpa/wer

11.11.2015
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