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Politik Kairo vermittelt zwischen Israelis und Hamas
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16:06 17.07.2014
Unter ägyptischer Vermittlung verhandeln Israelis und Hamas-Vertreter über eine Einstellung der Kampfhandlungen. Quelle: dpa
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Kairo

Israel und die militant-islamische Hamas sind möglicherweise einer Einigung über eine Waffenruhe im Gazakonflikt nahe. Über Vermittler verhandelten beide Seiten in der Nacht zum Donnerstag intensiv in der ägyptischen Hauptstadt Kairo, berichteten israelische Medien. Ein israelischer Offizieller sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass noch nichts abschließend vereinbart worden sei und dass die Verhandlungen weitergingen.

Am Donnerstag war eine auf fünf Stunden befristete humanitäre Waffenruhe in Kraft getreten. Sie war vom UN-Flüchtlingskoordinator Robert Serry angeregt worden, um den Gazastreifen mit bitter benötigten Hilfslieferungen zu versorgen. Tausende Bewohner der Mittelmeer-Enklave strömten erstmals seit zehn Tagen, als die israelische Militäroffensive gegen Hamas-Stellungen begann, massenhaft auf die Straßen, um das Nötigste für den eigenen Bedarf einzukaufen.

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Die Feuerpause am Donnerstag wurde von militanten Palästinensern punktuell gebrochen. Drei aus dem Gazastreifen abgefeuerte Mörsergranaten seien im israelischen Grenzgebiet eingeschlagen, bestätigte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Es habe weder Opfer noch Sachschaden gegeben.

Israelische Medien berichteten, dass eine hochrangige israelische Regierungsdelegation von indirekten Verhandlungen mit der Hamas aus Kairo zurückgekehrt sei. Ihr gehörten der Sondergesandte von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Izchak Molcho, der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Joram Cohen, und der Chef des politischen Direktorats im Verteidigungsministerium, Amos Gilad, an.

Auf Hamas-Seite habe der Vize-Exilchef der Organisation, Mussa Abu Marsuk, verhandelt. Die Gespräche seien von Ägypten vermittelt worden. Eingebunden war auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der in den letzten Tagen mehrmals mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi zusammengetroffen war. Israelische Medien berichteten, der bewaffnete Arm der Hamas habe einen Katalog von Forderungen für ein Ja zu einem dauerhaften Waffenstillstand vorgelegt.

Unter den Forderungen der Hamas waren die permanente Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen, die Freilassung palästinensischer Gefangener,  die vor drei Jahren im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen und dann wieder festgenommen worden waren, sowie die Erlaubnis für Gaza-Bewohner, auf dem Tempelberg in Jerusalem zu beten. Zunächst war nicht klar, in welchem Umfang Israel bereit war, diesen Forderungen entgegenzukommen.

Am frühen Morgen verhinderte die israelische Armee nach eigenen Angaben einen massiven Angriff der Militanten an der Grenze zum Gazastreifen. 13 schwer bewaffnete Palästinenser seien durch einen Tunnel etwa 250 Meter weit nach Israel vorgedrungen, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Die Luftwaffe habe den Tunnelausgang auf der israelischen Seite bombardiert und damit eine Attacke auf den nahe gelegenen Kibbuz Sufa vereitelt.

Nach Informationen des Ersten Israelischen Fernsehens wurden bei dem Militäreinsatz acht der Palästinenser getötet. Das israelische Militär machte keine Angaben zu möglicherweise getöteten Angreifern. Ein von der Armee veröffentlichtes Video zeigt, wie die Palästinenser zum Tunnelausgang zurücklaufen und dieser von einer Luft-Boden-Rakete in dem Augenblick getroffen wird, in dem der letzte Angreifer im Tunnel verschwunden ist.

Der unerbittliche Schlagabtausch zwischen Israel und der Hamas hat schon weit über 200 Todesopfer gefordert. Für besonderes Entsetzen sorgte am Mittwoch der Fall von vier palästinensischen Jungen, die am Strand von Gaza getötet wurden, als sie Fußball spielten. Das israelische Militär sprach von dem „tragischen Resultat“ eines Angriffs auf vermutete Terror-Aktivisten.

In Israel steigt mit jeder aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete der Druck aus dem rechten Lager auf Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Bodentruppen in das Palästinensergebiet zu entsenden. Vor allem Außenminister Avigdor Lieberman wirft ihm weiter Schwäche und Zögerlichkeit vor. Auf sozialen Netzwerken machte am Donnerstag ein Foto von 16 israelischen Soldaten die Runde, die mit ihren Körpern den Satz geformt hatten: „Bibi (Netanjahus Spitzname) ist ein Loser.“

dpa

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