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Politik In Afghanistan droht eine Taliban-Offensive
Mehr Welt Politik In Afghanistan droht eine Taliban-Offensive
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08:01 26.05.2011
Verteidigungsminister Thomas de Maizière bestätigt den Tod eines deutschen Soldaten. Der Mann war in Afghanistan bei einem Attentat getötet worden.
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Am Vormittag waren drei Fahrzeuge einer Patrouille in Nordafghanistan von zwei Sprengsätzen getroffen worden, ein 33-jähriger Soldat starb, ein weiterer wurde verletzt. Auch ein afghanischer Übersetzer musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

„Ein bitterer Rückschlag“, sagte der Minister – es zeigt sich einmal mehr: Die Lage in Nordafghanistan ist in diesen Tagen äußerst angespannt. Schon vor Monaten hatten Taliban-Gruppen eine Frühjahrsoffensive angekündigt, um die internationalen Truppen in mehreren Provinzen am Hindukusch zurückzudrängen. Ob der Vorfall am Mittwoch ein Vorbote dieser Offensive ist, wollte im Verteidigungsministerium allerdings niemand bestätigen. Aber es ist offensichtlich, dass dieses Sprengstoffattentat nicht isoliert betrachtet werden sollte.

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Während de Maizière die Öffentlichkeit über den erneuten Anschlag der Aufständischen informierte, debattierte der Bundestag über den blutigen Zwischenfall am Außenlager Talokan vor einer Woche. Bundeswehrsoldaten hatten auf Demonstranten geschossen, die vor dem Außenposten protestierten. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch nicht vollständig aufgeklärt.

Es heißt, aus Wut über den Tod von vier angeblichen Zivilisten – der Nato zufolge waren es Taliban – hatten mehrere Hundert Menschen demonstriert. Die Lage sei eskaliert, als die Soldaten aus der Menge heraus mit Handgranaten und Molotowcocktails angegriffen wurden. Die deutschen und afghanischen Sicherheitskräfte schossen auf die Angreifer – mindestens 14 Menschen sollen bei der Auseinandersetzung getötet, mehr als 80 verletzt worden sein.

Noch sind viele Fragen offen. Aber es zeigt sich einmal mehr, wie sehr sich die Lage vor Ort verschärft hat. Patrouillenfahrten ins Umland gelten als ungemein gefährlich, gleichwohl werde sich die Bundeswehr nicht in ihren Camps „verschanzen“, hieß es gestern in Militärkreisen. Die Befriedung der Region könne nur gelingen, wenn die Truppen auch Präsenz zeigen. Gemeinsam mit Amerikanern und mit den Afghanen hatte man im vergangenen Jahr einige Hochburgen der Taliban bei Kundus zurückerobert, dort sollen nun verstärkt Aufbauprojekte für die Zivilbevölkerung beginnen.

Seit Beginn des Afghanistaneinsatzes 2002 wurden am Hindukusch bei Gefechten und Anschlägen 31 Bundeswehrsoldaten getötet. Zuletzt starben im Februar drei Soldaten, nachdem ein Angehöriger der afghanischen Armee in der Provinz Baghlan das Feuer auf deutsche Soldaten eröffnet hatte.