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Politik Im schwedischen Östhammer freuen sich die Menschen auf ein Endlager
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10:19 05.06.2009

Ingemar Widen, Rentner im ostschwedischen Östhammar, strahlte in die Fernsehkamera, als hätte er das große Los gezogen: „Ich habe es soeben gehört. Ganz wunderbar. Das wird ein Gewinn für die ganze Stadt.“ Sein Glückslos: Er wird Nachbar des Endlagers für Schwedens Atomabfall. Die zuständige Staatsfirma SKB hat das Bergland der Küstenkommune als günstigsten Ort für die Deponie auserwählt. Auch Bürgermeister Jacob Spangenberg atmete auf: „Phantastisch. Darauf haben wir 15 Jahre lang hingearbeitet.“

In anderen Ländern wehren sich die Menschen gegen solche Anlagen, doch in Schweden gehen die Uhren anders. In Östhammar liegt das Kernkraftwerk Forsmark, das vor drei Jahren nach einer Panne auf eine Kernschmelze zusteuerte und für seine „Sicherheitskultur“ scharf kritisiert wurde. Das hat das Vertrauen der Lokalbevölkerung in den größten Arbeitsplatz nicht geschmälert. „Prima, dass dieses Hightech-Projekt zu uns kommt“, begrüßt Spangenberg den Endlagerentscheid, und in Oskarshamn, einer anderen Atomkraftkommune, war die Enttäuschung groß, denn auch dort hoffte man auf den Zuschlag. „84 Prozent der Menschen hier waren dafür“, sagt Planungschef Lennart Karlsson, „so viel Zustimmung bekommt man sonst nicht mal, wenn man fragt, ob der Weihnachtsmann lieb ist.“

Während sich Oskarshamn jetzt mit einer Trostprämie von umgerechnet 150 Millionen Euro für den entgangenen Auftrag entschädigen lässt, beginnen in Östhammar die Vorarbeiten für das Bauwerk, das an die drei Milliarden Euro kosten und 700 Arbeitsplätze schaffen soll. Die Brennstäbe, die jetzt im Zwischenlager Clab in Oskarshamn gekühlt werden, sollen einst in Kupfer eingekapselt und von Bentonit-Lehm umschlossen 500 Meter tief in den Berg versenkt werden. Dort sollen sie 100.000 Jahre und länger lagern, bis die Strahlung abgeklungen ist. „Der Berg hat entschieden“, begründete SKB-Chef Claes Thegerström die Wahl Östhammars: Dort ist der Untergrund trocken, rissfrei und nur wenigen Wasserströmungen ausgesetzt.

12.000 Tonnen Atommüll in 6000 Kapseln soll das Lager aufnehmen, bis Schwedens Atomkraftprogramm um das Jahr 2070 endet. Umweltschützer und mehrere Experten melden Bedenken an. „Ausgangspunkt ist, dass nichts leckt, und wenn es dennoch leckt, hat man mehrere voneinander unabhängige Barrieren eingebaut“, sagt der Atomchemiker Mats Jonsson. „Dass sie alle fehlschlagen, ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.“ Tests hätten gezeigt, dass das Kupfer viel früher roste als vorgesehen und dass die Kapseln daher schon nach einigen Hundert Jahren undicht werden, meint Johan Swahn von der Atomüllgruppe der Umweltorganisationen. Die von SKB empfohlene Methode garantiert eine Rückholbarkeit.

Hannes Gamillscheg

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