Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Im Jemen getötete Frauen kommen aus Niedersachsen
Mehr Welt Politik Im Jemen getötete Frauen kommen aus Niedersachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:26 16.06.2009
Die im Jemen getöteten Frauen kommen aus der Gemeinde Calberlah bei Gifhorn. Quelle: ddp

„Ich habe sie mit Gottes Segen fahren lassen.“ Aber der Gott, auf den Albert S. so fest vertraut hat, hat die Tochter nicht wieder heimkommen lassen. Hadert Albert S. deshalb mit diesem Gott? Nein: „Gott hat uns viel Gutes geschenkt. Mit seiner Hilfe werden wir auch diese Tragödie verkraften.“

Die Tragödie, das ist der Tod von Rita S. Tiefgläubig, wie der Vater, war die 26-jährige Krankenschwester aus dem Landkreis Gifhorn. Und wie er voll Gottvertrauen, als sie sich Anfang Juni in den Jemen aufmachte. In der gefährlichsten Region des von politischen Machtkämpfen zerrissenen arabischen Landes wollte sie für drei Monate unentgeltlich in einem Krankenhaus arbeiten. Voll Gottvertrauen? Oder voller Naivität, in Verkennung einer Gefahr, die auf alle anderen Ausländer so abschreckend wirkt, dass sie diese Region meiden?

Vielleicht hat auch Neugier die junge Frau bewegt, als sie zu ihrer Mission aufbrach. Auf jeden Fall aber hat ihr christlicher Glaube eine große Rolle gespielt. Rita war, wie ihre ebenfalls ermordete 24-jährige Freundin Anita G., Schülerin an der Bibelschule Brake im ostwestfälischen Lemgo. Am Dienstagnachmittag hat die Schulleitung, als Freunde und Bekannte noch hofften, dass der schreckliche Verdacht sich zerstreuen würde, für Gewissheit gesorgt: „Mit tiefer Bestürzung haben wir die Nachricht vom Tod unserer Studierenden Anita G. und Rita S. aufgenommen. Unser Mitgefühl gilt in dieser schweren Stunde in besonderem Maße den Angehörigen, Freunden und ehemaligen Kollegen.“ Ob sich jemand schuldig fühlt, weil zwei so junge Frauen auf diese Mission geschickt wurden, ist aus der Botschaft nicht zu ersehen.

Anita G. und Rita S. waren Studentinnen des Abschlussjahrgangs. Die freikirchliche Bibelschule, die der Evangelischen Allianz nahesteht, bildet nach eigenen Angaben Schüler in einem dreijährigen „Studiengang“ für hauptamtliche und nebenamtliche Dienste in Gemeinde und Mission aus. Wegen ihres „ausgeprägten sozial-diakonischen Engagements“ entschieden sie sich für ein Praktikum im Jemen. Dort waren sie als Kurzzeitmitarbeiter für die in den Niederlanden registrierte Wohltätigkeitsorganisation „Worldwide Services“ im Dschumhuri-Krankenhaus von Saada vor allem in der Geburtshilfe tätig.

Noch wissen Angehörige und Freunde, auch offizielle Stellen, wenig über die genauen Umstände ihres Todes. Fest steht bislang nur, dass ein Schäfer im Nordjemen die Leichen von drei Frauen gefunden hatte, darunter die der Krankenschwestern aus Niedersachsen. Fest steht auch, dass die beiden jungen Frauen mit vier Kollegen aus Deutschland, Großbritannien und Südkorea sowie drei Kindern zu einem Picknick aufgebrochen waren. Keiner aus der Ausflugsgesellschaft ist bislang zurückgekehrt.

Dort, wo Rita und Anita zu Hause waren, kann keiner so recht verstehen, warum ausgerechnet sie zu Opfern wurden. In den Dörfern Wettmarshagen und Allerbüttel nahe Wolfsburg verbreitete sich die Nachricht von ihrem Tod am Dienstag rasend schnell. Die beiden strenggläubigen Frauen gehörten zur baptistischen Immanuelgemeinde in Wolfsburg. Ihre Familien sollen Spätaussiedler aus Russland sein. „Man hat sie zwar im Dorf gesehen, die sozialen Kontakte beschränkten sich ansonsten allerdings auf die kirchliche Gemeinde“, sagt eine Frau in Allerbüttel über die Familie von Anita G.
Rita S. hingegen war in Wettmershagen lange Jahre in Vereinen aktiv; außerdem war die ehemalige Schülerin des Otto-Hahn-Gymnasiums in Gifhorn erfolgreiche Turnerin beim VfL Wolfsburg. „Sie war zuletzt oft für soziale Dienste unterwegs, beispielsweise in Russland“, sagt ihre ehemalige Lehrerin Gerti Wilhelm.

Im Internetportal StudiVZ hat Rita S. ihrer Begeisterung für den VfL Wolfsburg freien Lauf gelassen, hat über ganz normale Interessen wie Lieblingsfilme („Eine Klasse für sich – Ein Baseballstreifen“) geplaudert. Und sie war immer „fröhlich und engagiert“, schreiben ihre Freunde in den Nachrufen, die sie im ersten Schock ins Netz gestellt haben. „Ich kann es nicht glauben, ich werde dich vermissen“, steht da und: „Es tut weh, dass du nicht mehr hier bist.“ Für viele Christen ist der Tod der beiden jungen Frauen mehr als eine persönliche Tragödie. „Wir sind tief erschüttert“, sagte der Theologische Kirchenrat Andreas-Christian Tübler in Detmold. Es mache sehr betroffen, dass die Opfer bei einem diakonisch-missionarischen Einsatz ums Leben gekommen sind.

Sicherheitsexperten vermuten einen Mord aus religiösen Motiven. Sie warnen schon lange, christliche Mission sei gerade in islamischen Ländern hoch riskant. Es sei nicht auszuschließen, dass die Frauen in dem traditionalistischen Jemen als fromme Christinnen aufgefallen waren und deshalb von Extremisten getötet wurden, hieß es. Die Ermordung weiblicher Geiseln sei eigentlich untypisch, „üblich ist vielmehr, dass als erstes Männer umgebracht werden“, heißt es lapidar.

„Sie war ein Engel“, hat Albert S. der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am Dienstag gesagt. Einen Tag vor der Entführung hat er mit seiner Tochter Rita zum letzten Mal telefoniert. „Sie war von ihrem Wunsch, den Ärmsten Hilfe zukommen zu lassen, nicht abzubringen.“

„Tief im Herzen“ hofft Albert S., dass die noch vermissten Geiseln mit dem Leben davonkommen. Hat er Rachegedanken? Die „Bestien“, die seine Tochter getötet hätten, sagt Albert S., würden von einem höheren Richter ihre Strafe bekommen.

Der Gouverneur der Provinz Saada will sich nicht darauf verlassen. Er hat eine Belohnung von 25.000 US-Dollar für Hinweise auf die Entführer ausgesetzt.

von Monika Keil und Susanne Iden

Bei den Protesten im Iran sind die ersten Demonstranten getötet worden. Oppositionspolitiker Mir-Hossein Mussawi rief seine Anhänger daraufhin am Dienstag auf, einer nicht genehmigten Demonstration in der Hauptstadt Teheran fernzubleiben.

16.06.2009

Nach knapp zwei Jahren Anlagenstillstand will Vattenfall Europe das Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein wieder ans Netz nehmen. Am Dienstag stellte der Energiekonzern bei der Atomaufsicht des nördlichsten Bundeslandes einen entsprechenden Antrag.

16.06.2009

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken will den Fraktionschef der rechtsextremen NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, offenbar wegen Volksverhetzung anklagen.

16.06.2009