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Politik Wettergott im Weißen Haus? Trump zeigt manipulierte Wetterkarte
Mehr Welt Politik Wettergott im Weißen Haus? Trump zeigt manipulierte Wetterkarte
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15:24 05.09.2019
Donald Trump hält ein Plakat, das den Verlauf des Hurrikans «Dorian» veranschaulicht, während er im Oval Office des Weißen Hauses mit Journalisten spricht. Quelle: Evan Vucci/AP/dpa
Washington

Mit der Wahrheit hat es Donald Trump nie so genau genommen. Von der angeblichen Rekord-Zuschauerzahl bei seiner Inauguration über die vermeintlichen Milliardenverluste der USA im Außenhandel bis zu fiktiven Fortschritten beim Mauerbau haben die Faktenchecker der "Washington Post" inzwischen mehr als 12.000 falsche oder irreführende Aussagen gezählt. Die Fälschung einer offiziellen Wetterkarte aber bereichert die Liste nun um einen ebenso beispiellosen wie bizarren Vorgang.

Seit Tagen schon ist der US-Präsident vergrätzt, weil er von seinen eigenen Behörden eines Irrtums überführt wurde. Am Sonntag hatte er eine Warnung vor Hurrikan "Dorian" getwittert und behauptet, neben Florida würden laut aktuellen Prognosen auch die Bundesstaaten South Carolina, North Carolina, Georgia und Alabama viel härter als erwartet getroffen. „Seien Sie vorsichtig!“, warnte Trump. Doch leider stimmten die Details nicht. Kurz darauf schickte der Nationale Wetterdienst einen Korrektur-Tweet hinterher: „Alabama wird KEINE Auswirkungen von Dorian sehen.“

Hurrikan "Dorian" trifft auf die Bahamas

Als sich am Montag längst abzeichnete, dass der Hurrikan wahrscheinlich auch das weiter östlich gelegene Florida verschonen und schärfer nach Norden abdrehen würde, tobte Trump innerlich immer noch. Nachdem ein Fernsehreporter auf seinen Fehler hingewiesen hatte, holte der Präsident zum Twitter-Schlag aus. Unter „bestimmten Szenarien“ sei Alabama sehr wohl gefährdet gewesen, behauptete er trotzig: „Aber die Lügenpresse ist nur daran interessiert zu erniedrigen und herabzusetzen.“

Ein Briefing mit einer abgeänderten Karte

Spätestens damit hätte der absurde Vorgang eigentlich abgeschlossen sein können. Im Fernsehen liefen längst die bedrückenden Bilder von den dramatischen Verwüstungen, die „Dorian“ auf den Bahamas angerichtet hat. Doch Trump gab keine Ruhe. Am Mittwoch (Ortszeit) forderte er bei einem Briefing im Oval Office einen Mitarbeiter auf, eine alte Wetterkarte des Nationalen Hurrikan Centers vom vergangenen Donnerstag zu zeigen.

Donald Trump und seine Wetterkarte. Quelle: Evan Vucci/AP/dpa

Der dort prognostizierte – noch sehr unsichere – Zerstörungspfad des Monstersturms ging über die Bahamas bis nach Florida und war weiß eingekreist. Doch irgendjemand hatte den aufgedruckten Gefahrenweg mit einem schwarzen Filzstift um eine Beule nach Westen erweitert, sodass nun auch die Golfküste von Alabama in dem Gebiet lag. „Das war die ursprüngliche Karte“, behauptete Trump: „Es ging in Richtung Golf.“

Dummerweise zeigen die vom Weißen Haus selbst bei Flickr veröffentlichten Fotos der offiziellen Unterrichtung des Präsidenten durch die Meteorologen, dass der schwarze Bogen damals nicht auf der Karte war. Damit stellt sich die Frage, wer zum Filzstift gegriffen hat, um die Blamage des Präsidenten abzumildern. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg soll es Trump persönlich gewesen sein.

Wirbel um Hurrikan "Dorian": Trump zeigt manipulierte Karte

„Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht“, antwortete Trump vor Reportern wenig überzeugend auf die Frage, ob die Karte verändert worden sei. Wie häufig, wenn er sich beim Lügen ertappt fühlt, setzte er dann noch einen drauf. „Ich habe bessere Karten als diese“, behauptete er. Auf denen seien verschiedene Modelle dargestellt: „In allen Fällen wurde Alabama zumindest leicht, in einigen Fällen ziemlich stark getroffen.“ Die Wahrscheinlichkeit habe 95 Prozent betragen.

In Warnhinweisen wurde Alabama nicht einmal genannt

Damit hatte sich Trump nun endgültig ins Unterholz begeben. Tatsächlich hatten die Meteorologen die Wahrscheinlichkeit für irgendeinen Kontakt des Hurrikans mit der gesamten US-Küste nämlich nur auf 60 Prozent beziffert. Und in den 45 Warnhinweisen, die das Nationale Hurrikan Center in den vergangenen Tagen herausgab, wurde Alabama nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP nicht ein einziges Mal als mögliches Gefahrengebiet für einen tropischen Sturm oder Hurrikan genannt.

„Trump versucht wild, seine eigene Realität zu schaffen“, kommentierte die "Washington Post". Das ist nicht nur beunruhigend, sondern im konkreten Fall auch illegal. Nach dem amerikanischen Gesetz ist das Verändern offizieller Wettervorhersagen strafbar. Normalsterblichen droht eine Geldbuße oder eine Gefängnishaft von bis zu 90 Tagen.

Von Karl Doemens/RND

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