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Politik Hunderte Bundeswehr-Soldaten bleiben in Afghanistan
Mehr Welt Politik Hunderte Bundeswehr-Soldaten bleiben in Afghanistan
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18:27 18.04.2013
"Wir wollen, dass unser mehr als ein Jahrzehnt dauernder Einsatz nachhaltig Erfolg hat", so Verteidigungsminister de Mazière zu der Entscheidung. Quelle: dpa
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Kabul/Berlin

Die Bundeswehr soll auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan 2014 zunächst mit 600 bis 800 Soldaten im Land bleiben. Die Bundesregierung machte dieses Angebot am Donnerstag für die Jahre 2015 und 2016. Danach sollen auf unabsehbare Zeit noch 200 bis 300 Soldaten für Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Armee zur Verfügung gestellt werden.

Mit der Fortsetzung des Engagements wolle man die Ergebnisse des bisherigen Einsatzes sichern, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). "Wir wollen, dass unser mehr als ein Jahrzehnt dauernder Einsatz nachhaltig Erfolg hat."

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Die Bundeswehr ist seit mehr als elf Jahren in Afghanistan im Einsatz. 52 deutsche Soldaten haben am Hindukusch ihr Leben verloren. Ende 2014 soll der Nato-Kampfeinsatz enden und eine Ausbildungsmission mit 8000 bis 12.000 Soldaten beginnen. Deutschland hat nun als erstes Nato-Land ein konkretes Angebot dafür gemacht. Bis Ende 2016 soll die Bundeswehr in ihrem Zuständigkeitsgebiet im Norden Afghanistans bleiben. Anschließend sollen sich ihre Aktivitäten auf die Hauptstadt Kabul beschränken.

"Wir wollen willkommen sein."

Neben Ausbildern und Beratern sollen auch Soldaten zum militärische Schutz entsandt werden. Die Bereitschaft zu einem Einsatz ab 2015 sei unter anderem an eine formelle Einladung der afghanischen Regierung geknüpft, sagte de Maizière. "Wir wollen willkommen sein." Zudem seien eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, ein zwischen Afghanistan und Deutschland vereinbartes Truppenstatut sowie ausreichende Sicherheit notwendig. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nannte den Übergang von einer Kampf- zu einer Ausbildungsmission eine "historische Zäsur". Er setze darauf, dass die Pläne auch breite politische Rückendeckung im Bundestag bekämen.

"Wir lassen die Menschen in Afghanistan nicht im Stich", sagte Westerwelle. Die Bundesregierung hatte sich bereits mehrfach zu einer weiteren Beteiligung an dem Einsatz bereiterklärt. Einen konkreten Plan gab es bisher allerdings nicht - auch weil die USA noch keine Entscheidung über ihre Präsenz nach 2014 getroffen haben. De Maizière erhofft sich nun auch eine internationale Signalwirkung der deutschen Entscheidung.

"Unsere internationalen Partner sollen einen angemessenen Beitrag zu dieser Mission leisten und ihrerseits ausreichend Kräfte zur Verfügung stellen", sagte er. Die Entscheidung über die künftige Zusammensetzung der Nato-Truppe soll aber erst auf einer internationalen Truppenstellerkonferenz im November fallen. Der endgültige Beschluss über den Bundeswehreinsatz wird damit auch erst nach der Bundestagswahl im September im Parlament fallen. Deutschland ist nach den USA und Großbritannien drittgrößter Truppensteller der internationalen Schutztruppe Isaf.

Die Bundeswehr-Truppe wurde bereits von über 5000 auf derzeit 4200 Soldaten reduziert. Der Abzug von bis zu 1200 Fahrzeugen und 4800 Containern voll Material wird bereits seit Monaten vorbereitet. In der türkischen Hafenstadt Trabzon am Schwarzen Meer wurde eigens dafür ein Drehkreuz aufgebaut, über das 80 Prozent des Materials transportiert werden sollen. Die ersten Flugzeuge aus dem deutschen Afghanistan-Hauptquartier in Masar-i-Scharif sollen dort in den nächsten Wochen landen.

dpa