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Politik Wenn Gauck nicht kann, muss Köhler ran
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00:15 16.10.2013
Von Susanne Iden
Man kennt, schätzt und hilft sich: Bundespräsident Joachim Gauck und sein Vor-Vorgänger Horst Köhler. Quelle: dpa
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Und so bittet also – wie es der „Spiegel“ berichtet – Joachim Gauck seinen Vor-Vorgänger Horst Köhler darum, bei einem Termin in Afrika für ihn einzuspringen. Es ist der 19. September, drei Tage vor der Bundestagswahl, und die westafrikanische Republik Mali wünscht dringend die Anwesenheit eines Vertreters bei der Amtseinführung ihres neuen Präsidenten. Die Deutschen haben im Frühjahr dabei geholfen, die Revolte der Islamisten in Mali zurückzudrängen und demokratische Wahlen zu sichern. Nun lädt der Sieger Ibrahim Boubacar Keita zur Amtseinführung in die Hauptstadt Bamako.

Gauck aber ist verhindert. Soll Winfried Kretschmann reisen, der grüne Ministerpräsident Baden-Württembergs, weil er gerade Bundesratspräsident ist und damit dem Gesetz nach Vertreter des Präsidenten? Nein. Gauck entscheidet so pragmatisch wie außenpolitisch klug: Köhler muss ran.

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Es sei durchaus „gängige Praxis“, sagt das Bundespräsidialamt später, dass ein Verfassungsorgan sich durch einen Amtsvorgänger vertreten lasse. Im Falle Köhler kommt noch hinzu: Er kennt den größeren Teil der afrikanischen Honoratioren persönlich, er hat die Afrika-Politik in den Mittelpunkt seiner Präsidentschaft gestellt, hat schon als Chef des Internationalen Währungsfonds die Entwicklungszusammenarbeit mitgestaltet, ist heute Berlins Vertreter in der einschlägigen Expertenkommission des UN-Generalsekretärs – es gibt keinen Geeigneteren. Also fliegt Köhler im Regierungsairbus nach Bamako.

Das vielleicht doch ein wenig Überraschende ist dieses: Es kriegt keiner mit. Sogar der ARD-Korrespondent berichtet aus Bamako, der französische Staatspräsident François Hollande sei der einzige Europäer in der Festgesellschaft. So diskret wie sein gesamtes Nach-Bellevue-Leben meistert Köhler, der 2010 wegen umstrittener Äußerungen über die Wahrung deutscher Wirtschaftsinteressen durch militärische Interventionen zurückgetreten ist, auch den Einsatz als Vertreter des Staatsoberhaupts.

Vielleicht wird er in dieser Rolle öfters zu sehen sein. Seit Wochen wird darüber gemunkelt, dass der 73-jährige Gauck sich gelegentlich von der Terminlast überwältigt fühle. Immerhin weiß er jetzt, dass der drei Jahre jüngere Köhler fit genug ist, um einzuspringen.

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