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Politik Hollande will Truppen aus Afghanistan abziehen
Mehr Welt Politik Hollande will Truppen aus Afghanistan abziehen
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06:15 21.05.2012
Von Stefan Koch
Der französische Präsident Hollande will einen Abzug der Truppen aus Afghanistan. Quelle: dpa
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Offiziell steht Afghanistan ganz oben auf der Tagesordnung, da bis Ende 2014 ein Abzug der Kampftruppen gelingen soll. Tatsächlich aber ist die Agenda weitaus größer: Russlands neuer alter Präsident Wladimir Putin schickt Ministerpräsident Dmitri Medwedew zu den beiden Gipfeln nach Amerika, da er sich über das geplante Raketenabwehrprogramm in Europa empört. Und Barack Obama dürfte als Gastgeber vor allem die Signale in die amerikanische Innenpolitik im Blick haben, da er sich am 6. November wieder zur Wahl stellt. Der US-Präsident wird alles daran setzen, sich seinen Landsleuten als Motor der internationalen Gemeinschaft zu präsentieren.

Ob der Chef im Weißen Haus diese Führungsqualitäten im Umgang mit dem Krisenherd Afghanistan unter Beweis stellen kann, ist aber keineswegs sicher. So bekräftigte Frankreichs neuer Staatspräsident Francois Hollande gestern unmittelbar nach seiner Ankunft in Washington, seine Kampftruppen bereits in diesem Jahr heimzuholen. Ob sich die bisherige Strategie "Gemeinsam rein, gemeinsam raus" bis Ende 2014 im Nato-Bündnis durchhalten lässt, wird immer fraglicher, zumal sich auch die Niederlande und Kanada mit dem größten Teil ihrer Kontingente aus dem Einsatz verabschiedet haben. Zumindest Angela Merkel, die gerade erst am Mittwoch ein neues Kooperationsabkommen mit Afghanistans Präsident Hamid Karzai unterzeichnet hatte, will an der gemeinsamen Haltung festhalten. Eine "Übergabe in Verantwortung" dürfe man ihrer Meinung nach nicht durch kurzfristige Kurswechsel gefährden.

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Ohnehin gilt der Wachwechsel am Hindukusch als höchst prekär. Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen zwar die Aufgaben der internationalen Truppen Schritt für Schritt übernehmen. Zugleich sollen aber etwa 100.000 Soldaten und Milizionäre aus dem Dienst entlassen werden. Die düsteren Erfahrungen im Irak hatten vor wenigen Jahren gezeigt, wie schnell ein solcher Prozess eskalieren kann, da viele Männer in den Krisengebieten den Militärdienst als einzige Beschäftigungsmöglichkeit sehen. 
In Obamas Heimatstadt Chicago wollen die Nato-Vertreter nun klären, wie sich die verbleibenden 228.000 afghanischen Soldaten nach dem Abzug der internationalen Truppen finanzieren lassen.

Stefan Koch 18.05.2012
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