Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Helmut Kohl zieht sich aus Hannelore-Kohl-Stiftung zurück
Mehr Welt Politik Helmut Kohl zieht sich aus Hannelore-Kohl-Stiftung zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:54 01.07.2009
Helmut Kohl will seine Ämter unter anderem als Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Hannelore-Kohl-Stiftung mit sofortiger Wirkung niederlegen. Quelle: Berthold Stadler/ddp
Anzeige

Zugleich kritisierte er die Erweiterung des Kuratoriums um Personen, „die in keiner Beziehung“ zu seiner Frau standen. Die Stiftung wies die Vorwürfe Kohls entschieden zurück und betonte, das Vermächtnis von Hannelore Kohl auch unter ihrem Namen fortführen zu wollen.

In dem Brief vom 30. Juni an die Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstandes der Stiftung schreibt Kohl, dass er alle Ämter unter anderem als Ehrenvorsitzender des Stiftungskuratoriums „mit sofortiger Wirkung“ niederlege. Er sehe den Willen seiner „verstorbenen Frau für die Zukunft nicht mehr gesichert“ und sehe bei der Mehrheit der Kuratoriumsmitglieder auch nicht den Willen, dies zu ändern.“ Zugleich bat er darum, den Namen seiner Frau nicht mehr als Stiftungsnamen fortzuführen.

Anzeige

Durch die verschobenen Mehrheitsverhältnisse des Kuratoriums sei sein Entwurf von April für eine neue Satzung der Stiftung abgelehnt worden. Damit habe er jedoch das Lebenswerk seiner Frau im Einvernehmen mit Kuratorium und Vorstand absichern wollen.

Insgesamt bestehe ein „deutliches Unbehagen über die Entwicklung, die die Stiftung seit dem Tod meiner Frau Hannelore genommen hat“, schreibt Kohl weiter. Das gelte nicht nur für ihn, sondern auch für „alte Wegbegleiter“ seiner Frau. Seinen Rückzug sieht er daher als Konsequenz darauf, dass die Stiftung die Interessen seiner Frau in ihrer derzeitigen Verfassung nicht mehr repräsentiere.

Ute-Henriette Ohoven, die 2002 nach dem Tod von Hannelore Kohl den Präsidentenposten übernahm, will die Stiftung im Sinne der Gründerin fortzuführen. „Was sie begonnen hat, ist für uns Herausforderung und Verpflichtung für die Zukunft“, sagte Ohoven. Zugleich verwies sie darauf, dass Wirtschaftsprüfer der Stiftung saubere Buchführung und tadellose Mittelverwendung bescheinigt hätten.

Das Gründungsmitglied und langjährige Vorstandsmitglied sowie nach eigenen Angaben „enger Vertrauter“ Hannelore Kohls, Klaus Mayer, wies die Vorwürfe des Alt-Kanzlers als „völlig unbegründet und falsch“ zurück. Die zwei neuen Mitglieder des Kuratoriums seien Hannelore Kohl nicht nur bekannt gewesen. Sie seien damals auch von ihr in den Stiftungsrat berufen worden.

Der Satzungsänderungsentwurf habe keine Mehrheit gefunden, da er die Abschaffung des Beirats und Kuratoriums vorgesehen habe und Helmut Kohl oder ein anderes Familienmitglied damit zum alleinigen Vorsitzenden und Bestimmenden innerhalb der Stiftung geworden wäre. „Hier sollte aus der Stiftung meiner Meinung nach eine Familienstiftung gemacht werden“, sagte Mayer. Das hätte nicht unterstützt werden können.

Er betonte, dass das Vermächtnis von Hannelore Kohl „immer intensiv und mit großem Erfolg befolgt“ wurde. „Wir müssen und werden die Bitte, zukünftig auf den Namen von Hannelore Kohl als Stiftungsnamen zu verzichten, ablehnen“, sagte er weiter. Zugleich bedauerte, dass Helmut Kohl mehrfache Gesprächsgesuche seitens der Stiftung in den vergangenen Monaten abgelehnt hatte.

Hannelore Kohl hatte die Hannelore Kohl Stiftung, die sich um Unfall-Opfer mit Schädelhirn-Verletzungen kümmert, 1983 gegründet und stand dieser als Präsidentin bis zu ihrem Tod 2001 vor. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung den Angaben zufolge 563 Projekte mit mehr als 27 Millionen Euro gefördert.

ddp