Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Guttenberg nimmt Stellung zu Plagiatsvorwürfen
Mehr Welt Politik Guttenberg nimmt Stellung zu Plagiatsvorwürfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:49 23.02.2011
Verteidigungsminister zu Guttenberg stellt sich im Bundestag einer Fragestunde.
Verteidigungsminister zu Guttenberg stellt sich im Bundestag einer Fragestunde. Quelle: dpa
Anzeige

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat erneute Fehler bei seiner Doktorarbeit eingeräumt und sich entschuldigt. Er habe offensichtlich eine „sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben“, sagte Guttenberg am Mittwoch in der Fragestunde des Bundestags. „Dann kann ich nur sagen, dass das ein schlechtes Signal gewesen ist.“ Guttenberg hatte die Plagiatsvorwürfe zunächst als „abstrus“ zurückgewiesen. Erst später gestand er „gravierende Fehler“ in seiner Arbeit ein und erklärte, er wolle auf seinen Doktorgrad dauerhaft verzichten.

Guttenberg sagte, er habe sich erstmals am Wochenende angesichts der Vorwürfe gegen ihn intensiv mit seiner Doktorarbeit beschäftigt und entschieden, vollständig auf den Titel zu verzichten. Zuvor habe er wegen seiner Afghanistanreise und wegen der Vorgänge um die toten Bundeswehrsoldaten dazu keine Zeit gefunden.

Auf die Frage, ob seine anfängliche Erklärung, die Vorwürfe gegen ihn seien „abstrus“, nicht vorschnell gewesen sei, sagte Guttenberg: Nein. Dieser Teil seiner Erklärung sei weiterhin gültig, weil sie sich auf den Vorwurf bezogen hätten, die Arbeit sei ein Plagiat, sagte der Verteidigungsminister. Ein Plagiat setze aber voraus, dass man bewusst und vorsätzlich täusche. Er habe aber in allen Stellungnahmen deutlich gemacht, dass er weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht, jedoch gravierende Fehler gemacht habe.

Der Verteidigungsminister wies Vorwürfe zurück, er habe verschleiern wollen, Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes für seine Arbeit benutzt zu haben. Die Themen der Ausarbeitungen hätten bereits früher unter anderem in seiner politischen Arbeit im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages eine Rolle gespielt. Er habe die Ausarbeitungen bei vielen Reisen und Vorträgen genutzt. „Der Mandatsbezug war also ganz klar gegeben bei diesen Ausarbeitungen, die ich angefordert habe.“ Der Nutzen für die Dissertation habe sich erst später ergeben. Es seien ihm hier aber an zwei Stellen bei Fußnoten Fehler unterlaufen.

Guttenberg wies auf seine Belastung zum Zeitpunkt der Erstellung seiner Doktorarbeit hin. Er sei sicher „so hochmütig“ gewesen zu glauben, dass ihm die Quadratur des Kreises gelinge und er als junger Familienvater die politische und wissenschaftliche Arbeit in Einklang bringen könne. „Für mich stellte das offensichtlich eine Überlastung dar“, räumte Guttenberg ein. Er stelle heute mit Bedauern fest, dass ihm diese Quadratur nicht gelungen sei. „Dazu stehe ich.“ Deshalb verzichte er auf den Doktortitel.

Er habe sich vor der deutschen Öffentlichkeit entschuldigt, betonte Guttenberg. An einigen Stellen seiner Arbeit habe er den Überblick verloren. Zum Vorwurf, unrechtmäßig den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für seine Arbeit herangezogen zu haben, sagte der Minister: „Da ich die Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste in den wissenschaftlichen Kontext meiner Arbeit eingestellt und reflektiert habe, sah ich meine Arbeit als vom Zitatrecht des Urheberrechts umfasst an.“

Er akzeptiere den Vorwurf, dass Teile der Arbeit nicht dem wissenschaftlichen Kodex entsprächen. Auf die Frage nach möglicher Hilfe oder einem sogenannten Ghostwriter betonte der Minister, er habe mehrfach gesagt, dass er die Arbeit persönlich geschrieben habe.

Guttenberg sagte, er habe mehrfach darauf verwiesen, dass er ein Mensch mit Fehlern und Schwächen sei. Er habe die Fehler in seiner Doktorarbeit unbewusst und ohne Täuschungsabsichten gemacht. Die Vorgänge zeigten, zu welcher Sorgfalt man bei der Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten gezwungen sei und künftig gezwungen sein werde. Dass eine Arbeit im Internet „tausendfach korrigiert“ wurde, sei sicher ein Novum. Guttenberg sagte, es gebe Bereiche in seiner Arbeit, von deren wissenschaftlichem Wert er fest überzeugt sei.

Auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit im Amt des Verteidigungsministers verwies Guttenberg auf seine öffentlichen Entschuldigungen: „Es hätte der Glaubwürdigkeit geschadet, wenn man sich nicht zu seinen Fehlern bekannt hätte.“ Einen Einfluss seiner Schummeleien auf seine Funktion als oberster Dienstherr der Bundeswehr-Universitäten wollte der Minister nicht erkennen, da die jeweiligen Unis die Einhaltung ihrer wissenschaftlichen Grundsätze überprüfen müssten.

Einige der Einträge auf der Internetseite „guttenplag“, auf der Hinweise zu den von Guttenberg kopierten Textstellen zusammengestellt sind, seien hochrelevant, räumte Guttenberg ein. Andere seien dagegen fragwürdig und durchaus mit dem wissenschaftlichen Kodex vereinbar. „Das muss sehr sauber geprüft werden.“

dpa

Dieser Text wird laufend aktualisiert.