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Politik Guttenberg ernennt neuen Generalinspekteur der Bundeswehr
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22:41 18.12.2009
General Volker Wieker (links) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Quelle: afp
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Er kennt die Bundeswehr wie kaum ein anderer General. Er hat als Artillerist den Dienst in der Truppe geleistet, war wiederholt auf dem Balkan im Einsatz und stand den Verteidigungsministern Volker Rühe (CDU) und Rudolf Scharping (SPD) als Adjutant zur Seite. Jetzt kommt auf den Niedersachsen Volker Wieker eine neue Aufgabe zu.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat den 55-jährigen Generalleutnant am Freitag als künftigen Generalinspekteur der Bundeswehr vorgestellt. Er tritt die Nachfolge von Wolfgang Schneiderhan an, der am 25. November wegen der Kundus-Affäre von Gutenberg entlassen wurde. Wieker sei ein „erstklassiger Soldat – wie Herr Schneiderhan“, sagte Guttenberg.

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Der Generalinspekteur ist der ranghöchste Soldat der Bundeswehr und höchster militärischer Berater der Bundesregierung zugleich. Die Berufung in das neue Amt ist für Wieker mit einer Beförderung verbunden. Er steigt auf zum Vier-Sterne-General. „Ich bin überzeugt, dass General Wieker die weitere Einsatzorientierung der Bundeswehr, die geboten ist, konsequent und entschieden voranbringen wird und seine Rolle (...) auf beste Weise zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes ausführen und erfüllen wird“, sagte Guttenberg.

Wieker ist seit dem 9. Oktober Chef des Stabes der Afghanistan-Schutztruppe Isaf in Kabul. Dort ist er dem amerikanischen Isaf-Befehlshaber Stanley McChrystal direkt unterstellt. Der in Delmenhorst bei Bremen geborene Soldat weiß, wie in der US-Armee gedacht und entschieden wird. Nach seiner Generalstabsausbildung an der Führungsakademie in Hamburg in der Zeit von 1987 bis 1989 folgte Anfang der neunziger Jahre ein vergleichbares Training bei der US-Armee in Fort Leavenworth in Kansas. Anschließend wurde er nach Augustdorf bei Bielefeld versetzt, wo er auch seine Zeit als Bataillonskommandeur absolvierte.

Den größten Teil seiner inzwischen 35-jährigen Zugehörigkeit zur Bundeswehr hat Wieker in Norddeutschland verbracht, anfangs in Wildeshausen, später als Brigadekommandeur in Schwerin. Bevor er nach Afghanistan entsandt wurde, gehörte der General seit 2007 dem deutsch-niederländischen Korps in Münster an. Hier war er seit Juli 2008 der Kommandeur.

Wieker gilt als kluger Kopf, der über große Erfahrung verfügt, stets besonnen auftritt und schon oft bewiesen hat, dass Militärpolitik für ihn kein Fremdwort ist. So hat er eine Arbeitsgruppe geleitet, die sich mit der Weiterentwicklung des Heeres befasst, er hat sich zudem als Chef des Stabes im Heeresamt und im Führungsstab des Heeres bewährt.
Jetzt ist es an Wieker, die Bundeswehr neu zu strukturieren. Die Armee muss stärker noch als bisher schon auf die Einsätze im Ausland ausgerichtet werden. Noch wichtiger ist die Bewältigung der personellen Probleme. Wieker muss ein Konzept vorlegen, das sowohl die Verkürzung der Wehrpflicht auf sechs Monate berücksichtigt als auch eine Antwort auf die Frage gibt, wie die Truppe künftig ihren Bedarf an gut qualifizierten Soldaten und vielen Spezialisten decken kann. Viel Zeit für Ehefrau Sabine und die beiden Kinder wird dem General da nicht bleiben.

Klaus von der Brelie

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