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Politik Griechenland baut neue Flüchtlingslager – und verspricht bessere Bedingungen
Mehr Welt Politik Griechenland baut neue Flüchtlingslager – und verspricht bessere Bedingungen
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13:21 16.09.2021
Das überfüllte Flüchtlingslager am Hafen von Vathy auf der ostägäischen Insel Samos. Dies wird bald Geschichte sein, denn Griechenland baut neue Flüchtlingslager.
Das überfüllte Flüchtlingslager am Hafen von Vathy auf der ostägäischen Insel Samos. Dies wird bald Geschichte sein, denn Griechenland baut neue Flüchtlingslager. Quelle: Thanassis Stavrakis/AP/dpa
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Athen

Nur wenige Hundert Meter sind es auf der Insel Samos vom Zentrum der Hafenstadt Vathy zum gleichnamigen Flüchtlingslager. In dem für 648 Menschen ausgelegten Camp hausten zeitweilig fast 8000 Schutzsuchende. Die meisten lebten in selbst gezimmerten Verschlägen aus Pappe, Holzlatten und Plastikplanen. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal. In wenigen Tagen wird das Camp Vathy Geschichte sein.

An diesem Samstag eröffnet der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis ein neues Flüchtlingslager auf Samos, acht Kilometer von der Inselhauptstadt entfernt. Der Umzug der Bewohner aus Vathy in das neue Camp soll am Montag beginnen. Dort werden die Menschen in klimatisierten Containern wohnen. Es soll Bildungsangebote, Sportmöglichkeiten und eine angemessene medizinische Versorgung geben.

Das Camp ist eines von fünf neuen Lagern. Noch in diesem Jahr werden zwei weitere auf den Inseln Kos und Leros eröffnet. 2022 sollen neue Lager auf den Inseln Chios und Lesbos bezugsfertig sein. Auch das Flüchtlingscamp Fylakio an der Landgrenze zur Türkei wird renoviert.

Die EU finanziert die Neubauten mit 276 Millionen Euro. Die neuen Lager ersetzen ältere, die im Jahr 2016 auf den Inseln gebaut wurden, um aus der Türkei kommende Schutzsuchende aufzunehmen. In den Camps sollten die Migranten registriert und ihre Asylanträge bearbeitet werden. Die Camps erwiesen sich aber schnell als viel zu klein.

Sie waren für die Unterbringung von 8896 Menschen ausgelegt. Tatsächlich aber lebten auf den Inseln im Frühjahr 2019 mehr als 41.000 Menschen. Allein im berüchtigten Lager Moria auf Lesbos, dem größten und verrufensten Camp, waren fast 20.000 Menschen eingepfercht. Die Überfüllung war auch das Ergebnis der schleppenden Asylverfahren.

Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt. Weil die seit Juli 2019 amtierende konservative Regierung die Asylverfahren beschleunigte, konnten die meisten Lagerbewohner aufs Festland umsiedeln. Heute leben auf den Inseln nach offiziellen Angaben vom Dienstag dieser Woche noch 4894 Migranten. Von ihnen sind 563 auf Samos. Das neue Lager dort hat eine Kapazität von 1500 Plätzen. Die anderen im Bau befindlichen Camps sollen zwischen 1300 und 3000 Menschen aufnehmen.

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Mit dem Umzug auf Samos bekommen viele Flüchtlinge erstmals ein festes Dach über dem Kopf. Dennoch äußern Hilfsorganisationen und Menschenrechtler Kritik an den Lebensbedingungen in den neuen Camps. Das griechische Migrationsministerium spricht von „geschlossenen, kontrollierten Strukturen“.

Wie das in der Praxis aussieht, kann man jetzt auf Samos sehen: Das Lager umgibt ein zweifacher hoher Metallzaun mit messerscharfem Nato-Stacheldraht. Zwischen den beiden Zäunen verläuft eine Straße, auf der Polizeifahrzeuge patrouillieren sollen. Zur Überwachung gibt es Kameras und Scheinwerfer. Die Bewohner dürfen das Lager zwar tagsüber verlassen, aber Ausgang und Rückkehr werden kontrolliert.

Von außen haben zu dem Lager nur die dort Beschäftigten und Angehörige der offiziell registrierten und zugelassen Hilfsorganisationen Zutritt. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen vergleicht die neuen Lager mit „Freiluftgefängnissen“. Kritiker bemängeln, dass die Camps weitab von bewohnten Gegenden liegen. Dadurch gibt es kaum Kontaktmöglichkeiten zwischen den Migranten und der Inselbevölkerung. Das war die Bedingung dafür, dass die örtlichen Kommunen dem Bau der Lager überhaupt zustimmten.

Von Gerd Höhler/RND

Der Artikel "Griechenland baut neue Flüchtlingslager – und verspricht bessere Bedingungen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.