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Politik Gorleben: Gutachter rügen politische Blockade
Mehr Welt Politik Gorleben: Gutachter rügen politische Blockade
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09:36 22.09.2009
Von Margit Kautenburger
Bislang keine Alternative: Das Endlagerbergwerk über dem Salzstock in Gorleben. Quelle: lni
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Der Obernkirchener Geophysiker und Salzstockexperte Heinz Nickel warnte gegenüber dieser Zeitung vor weiteren Milliardeninvestitionen in Gorleben. „Das endlagergeeignete Salzvolumen ist zu gering. Es reicht nicht einmal für die bereits vorhandenen Castor-Behälter, geschweige denn für den Abfall, der noch anfallen wird“, kritisiert Nickel. An einer Suche nach Alternativen führe daher kein Weg vorbei.

Auch der Kieler Geologie-Professor und Gorleben-Kritiker Klaus Duphorn hatte schon 1982 vergeblich auf Probleme im Salzstock hingewiesen. Duphorn macht auch die frühere rot-grüne Bundesregierung dafür verantwortlich, dass bis heute keine bundesweite Suche nach anderen Standorten in die Wege geleitet wurde. Die rot-grüne Koalition hätte zu ihrer Regierungszeit (1998 bis 2005) den von ihr selbst propagierten Neustart mit der Mehrheit im Bundestag beschließen können, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Dies habe Rot-Grün offenbar aus wahltaktischen Gründen unterlassen, weil Widerstand aus den betroffenen Regionen befürchtet worden sei.

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Drei von vier der von der niedersächsischen Landesregierung aufgestellten Kriterien zur Sicherheit des Salzstocks sind nach Angaben Duphorns nicht erfüllt. „Das war mir einfach zu viel. Von Bohrung zu Bohrung wuchs meine Skepsis“, berichtet der Geologe, der ab 1979 im Auftrag der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt die grundlegenden Untersuchungen zur Geologie des Salzstocks Gorleben machte. Er warnte davor, das Projekt Gorleben weiterzuverfolgen. Daraufhin verlängerte das damals SPD-geführte Bundesforschungsministerium seinen Vertrag nicht.

Auch die Erkenntnisse des Geophysikers Nickel waren politisch unerwünscht. Nickel arbeitete bis 1992 für die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover und hatte eine Messmethode für die Untersuchung der Homogenität von Salzlagerstätten entwickelt. 1980 wurde er für ein Jahr als Experte an das Wirtschaftsministerium in Bonn abgeordnet. Dort habe er seine kritischen Erkenntnisse zu Gorleben den zuständigen Abteilungsleitern sowie dem Bundeskanzleramt vorgestellt. Seismische Profile und Bohrungen ließen auf einen komplizierten Innenaufbau des Salzstockes schließen. Dies veranschaulichte ein von ihm entwickeltes 3-D-Modell des Salzstockes.

Zwar habe man im damals FDP-geführten Bundeswirtschaftsministerium zunächst erschrocken reagiert, dennoch sei kein weiterer Standort erkundet worden. „Mein Wissen war politisch unbequem“, meint der Wissenschaftler. Eine ihm zugesagte Planstelle sei plötzlich nicht mehr verfügbar gewesen. Nickels warnt davor, weiterhin Geld und Zeit in Gorleben zu investieren. „Das ist verantwortungslos, bedenkt man, dass in den Atommeilern seit mehr als 30 Jahren radioaktiver Müll produziert wird und immer noch neuer hinzukommt.“