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Politik Golfaraber drängen auf Militärintervention in Syrien
Mehr Welt Politik Golfaraber drängen auf Militärintervention in Syrien
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08:21 03.10.2012
Die Golfaraber wollen mit einer Militärintervention die Kämpfe in Syrien, wie hier in Aleppo, beenden. Quelle: dpa
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Istanbul

Die syrischen Oppositionellen geben sich in diesen Tagen so siegessicher wie nie zuvor. „Gebt uns 24 Boden-Luft-Raketen und 24 Panzerabwehrraketen, dann ist das Spektakel in wenigen Wochen vorbei“, sagt ein Exilant, der jeden Tag für den Sturz von Präsident Baschar al-Assad betet.

Der „Independent“ schrieb kürzlich, exakt diese Waffen stünden bereits in der Türkei bereit. Die mit Hilfe des Golfemirats Katar beschafften Raketen seien aber bislang noch nicht an die Rebellen geliefert worden. Sie würden erst nach Syrien gebracht, wenn es den bewaffneten Regimegegnern gelungen sei, sich auf eine gemeinsame Kommandostruktur zu einigen.

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Denn die von Deserteuren gebildete Freie Syrische Armee (FSA) ist in mehrere Fraktionen gespalten. Die islamistischen Freiwilligen-Brigaden und viele lokale Bürgerwehren entziehen sich bislang jeder Kontrolle.

Zwar berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am vergangenen Wochenende exklusiv von einem Treffen der FSA-Kommandeure in der Provinz Idlib, bei dem sich etwa zwei Dutzend Offiziere zu einem gemeinsamen Kommando zusammenschlossen. Doch etliche Kommandeure blieben dem Treffen fern.

„Diese Gruppen, die sich da zusammengeschlossen haben, hatten sich von uns abgespalten, damit sie von den Golfstaaten Waffen geliefert bekommen“, erklärt Malik al-Kurdi verbittert. Der Syrer gehört dem bereits im Juli 2011 gegründeten Flügel der FSA unter Oberst Riad al-Assad an, der mit den von den Saudis und Katarern unterstützten islamistischen Brigaden nichts zu tun haben will.

Außerdem ist der vom katarischen Herrscherhaus finanzierte Sender Al-Dschasira, der sehr wohlwollend über das Treffen in Idlib berichtete, im Syrien-Konflikt schon lange kein neutraler Beobachter mehr. Das Gleiche gilt für den zweiten maßgeblichen Nachrichtenkanal der arabischen Welt, den mit saudischem Geld finanzierten Sender Al-Arabija in Dubai, der diese Woche mit einer besonders merkwürdigen Story aufwartete.

„Türkische Piloten wurden auf Geheiß der Russen vom syrischen Regime getötet“, meldete Al-Arabija unter Berufung auf angebliche Geheimdokumente, die ihm die Opposition zugespielt hatte. Aus den Papieren gehe hervor, dass sich die beiden Piloten der türkischen F4-Phantom, die Ende Juni von der syrischen Luftabwehr über dem Mittelmeer abgeschossen worden waren, zunächst retten konnten und erst später getötet worden seien.

Doch die Türkei, die bislang wenig Interesse an einer von ihrem Staatsgebiet aus geführten Militärintervention gezeigt hat, winkte ab. Verteidigungsminister Ismet Yilmaz erklärte, die Behauptungen von Al-Arabija entbehrten jeder Grundlage.

Die von der islamistischen AKP geführte Regierung sympathisiert zwar mit den Zielen der syrischen Revolution. Auf ein militärisches Abenteuer in Syrien haben die Türken jedoch keine Lust. Die westlichen Regierungen möchten das Gemetzel in Syrien zwar auch schnell beendet sehen. Doch sie befürchten, dass eine von der Nato durchgesetzte Flugverbotszone - etwa um in Syrien eine Schutzzone entlang der türkischen Grenze durchzusetzen - zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur den Zivilisten und der FSA helfen würde, sondern auch den von den Golfarabern unterstützten Brigaden, denen vor allem Anhänger der Muslimbruderschaft und der radikal-islamischen Salafisten angehören.

Auch die Intellektuellen unter den syrischen Oppositionellen äußerten gleich Zweifel an der Geschichte von den Piloten, die laut Al-Arabija erst aus dem Meer gefischt wurden und dann später tot im Flugzeugwrack auf dem Meeresgrund gefunden wurden. Der Betreiber der oppositionellen Website „All4Syria“, Eiman Abdelnur, ärgerte sich sehr über den Bericht, der aus seiner Sicht dazu angetan sein könnte, die Glaubwürdigkeit der Opposition insgesamt infrage zu stellen.

dpa