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10:19 11.10.2021
ARCHIV - 02.05.2016, Leipzig: Pkws eines Carsharing-Anbieters stehen am auf einem Parkplatz. Mit einer modernen betrieblichen Mobilität können Unternehmen ihre CO2-Bilanz verbessern. Foto: Jan Woitas/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 02.05.2016, Leipzig: Pkws eines Carsharing-Anbieters stehen am auf einem Parkplatz. Mit einer modernen betrieblichen Mobilität können Unternehmen ihre CO2-Bilanz verbessern. Foto: Jan Woitas/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Jan Woitas/zb/dpa
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Göttingen

Das Car-Sharing-Unternehmen Grünes Auto aus Göttingen sieht sich nach der Ablehnung eines Mitgliedschaftsantrags mit Diskriminierungsvorwürfen konfrontiert.

Hintergrund ist der Antrag von Pranay T., den er im Sommer an das Unternehmen stellte. Nach einigen Tagen sei dieser abgelehnt worden. Begründung: Bei Kunden mit Aufenthaltstitel sei es in der Vergangenheit vermehrt zu Schäden und Unfällen gekommen. Das Unternehmen habe sich entschieden, „diese Gruppe nicht mehr aufzunehmen“, um Unfallschäden zu vermeiden. Das berichtet das „Göttinger Tageblatt“.

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Pranay T. habe den Antrag sowie seinen Ausweis und die Fahrerlaubnis an das Unternehmen geschickt. Zudem habe er die erforderliche Kaution von 300 Euro überwiesen. Dennoch lehnte das Unternehmen seinen Auftrag offenbar ab. Auf eigene Anfrage hin habe T. keine Auskunft zu den Gründen bekommen. Erst die Anfrage von einer außenstehenden Kundin habe das Unternehmen zu einer Begründung bewogen.

Pranay T. hat gültigen deutschen Führerschein

Pranay T. könne eine deutsche Fahrerlaubnis vorweisen und dürfe deshalb am Straßenverkehr teilnehmen. Das „Göttinger Tageblatt“ schreibt, dass T. deshalb nicht verstehen konnte, warum er in eine Gruppe fiele, zu der nach Angabe des Unternehmens auch Minderjährige ohne Führerschein oder nicht mehr fahrtaugliche ältere Mitbürger zählten.

Daraufhin habe sich T. an den Göttinger Integrationsrat sowie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt. Letztere antwortete bereits im August, dass es sich offenbar um „einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Form einer Benachteiligung wegen der ethnischen Herkunft“ handele, zitiert die Zeitung. Es sei nicht gerechtfertigt, Personen mit Aufenthaltstitel pauschal vorzuwerfen, dass sie Verkehrsregeln nicht befolgen und generell Schäden verursachen würden.

Grünes Auto Göttingen schickt Entschuldigung – nennt aber keine Gründe

Die Antidiskriminierungsstelle forderte das Unternehmen Grünes Auto zu einer Stellungnahme sowie zu einer Entschuldigung bei Pranay T. auf. „Auf diesem Wege möchte ich mich entschuldigen, es war nicht so gemeint. Es tut mir leid, dass es zu dieser Unstimmigkeit gekommen ist“, schrieb der Geschäftsführer des Carsharing-Anbieters, Andreas Schmidt, in der Entschuldigung, die dem „Göttinger Tageblatt“ vorliege. Gründe nannte Schmidt offenbar nicht.

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Bisher habe das Unternehmen jedem Mitgliedschaftsantrag zugestimmt. Dazu gehörten auch Personen mit einem Aufenthaltstitel, mit Migrationshintergrund oder Personen, die Sozialleistungen beziehen, schrieb Schmidt demnach weiter. Grünes Auto Göttingen werde zukünftig eine erhöhte Kaution erheben, um so die Schadens-und Unfallkosten zu minimieren und die gesteigerten Versicherungsprämien bezahlen zu können.

RND/sic

Der Artikel "Göttinger Carsharing-Anbieter lehnt Antrag von Mann mit Aufenthaltstitel ab" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.