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Politik General aus Hannover überlebt Taliban-Anschlag
Mehr Welt Politik General aus Hannover überlebt Taliban-Anschlag
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21:51 29.05.2011
Von Klaus von der Brelie
General Markus Kneip aus Hannover. Quelle: dpa (Archivbild)
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Der aus Hannover stammende General Markus Kneip, Regionalkommandeur der Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan, erlitt leichtere Verletzungen und erklärte am Sonntag, er wolle in Afghanistan im Einsatz bleiben: „Die Soldaten hier und ich als ihr Kommandeur haben den ganz klaren Auftrag, gemeinsam mit unseren afghanischen Partnern Frieden und Sicherheit in dieses Land zu bringen. Ich bin Kommandeur hier im Norden Afghanistans und werde gemeinsam mit meinen Soldaten diesen Auftrag weiter ausführen.“

Bei den getöteten deutschen Soldaten handelt es sich um engste Mitarbeiter des Generals, der in Hannover an der Spitze der 1. Panzerdivison steht: einen 43-jährigen Major und einen 31-jährigen Hauptfeldwebel. Kneips Dolmetscherin schwebte gestern Abend noch in Lebensgefahr.

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Eine zentrale Trauerfeier für die Getöteten wird es wahrscheinlich am Freitag in Hannover geben. Die Bundesregierung wird voraussichtlich durch den Verteidigungsminister, vielleicht auch durch die Kanzlerin vertreten sein.
Bei dem Anschlag auf hochrangige afghanische Sicherheitskräfte hatte sich in der nördlichen Provinz Tachar ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Offenbar hatte er sich mit einer Polizeiuniform Zutritt zum schwer gesicherten Sitz des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt Taloqan verschafft. Auch der Polizeikommandeur für den Norden Afghanistans, Daud Daud, kam bei dem Anschlag ums Leben.

Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich „schockiert und traurig“. Außenminister Guido Westerwelle bekräftigte, Afghanistan weiter helfen zu wollen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière deutete an, dass es Hinweise gebe, wonach der Anschlag nicht General Kneip, sondern afghanischen Zielen gegolten habe. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister sieht keinen Anlass für ein Ende des Militäreinsatzes. „Solche Rückschläge werden uns nicht davon abbringen, unsere Strategie weiter zu verfolgen.“ Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil reagierte sehr betroffen und erklärte: „Ich wünsche Generalmajor Kneip von Herzen eine baldige Genesung. Ich schätze ihn persönlich sehr, auch aus der engen Zusammenarbeit zwischen der 1. Panzerdivision und der Landeshauptstadt.“

In Berlin sagte der CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck, die Bundeswehr müsse nach einer solchen Attacke „einen entsprechenden Gegenschlag gegen die Taliban-Organisation in dieser Provinz“ führen. Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus forderte einen besseren Schutz der deutschen Soldaten. Es müsse besser kontrolliert werden, „ob in jeder afghanischen Uniform ein vertrauenswürdiger Partner steckt“.

Wieder zivile Tote: Unterdessen drohen zwischen der Nato und der afghanischen Regierung neue Spannungen. Bei einem Nato-Luftangriff kamen in der Nacht zu Sonntag fünf Mädchen, sieben Jungen und zwei Frauen ums Leben. Bei einem weiteren Luftangriff im Nordosten wurden „versehentlich“ 18 Zivilisten und 20 afghanische Polizisten getötet. Der afghanische Präsident Hamid Karsai bezeichnete die Tötung von Zivilisten durch Nato-Truppen als „schlimmen Irrtum“ und „Mord“.

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