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Politik Gedenken an Bombennacht unter massivem Polizeiaufgebot
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19:53 13.02.2010
In Dresden sind mehrere Tausend Polizisten im Einsatz. Quelle: dpa
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Mehrere Tausend Gegendemonstranten haben in Dresden einen Aufmarsch von rund 5.000 Neonazis verhindert. Blockaden in den Straßen um den Neustädter Bahnhof machten einen Abmarsch der Rechtsextremisten unmöglich. In dem Stadtteil kam es allerdings zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen, wie die Polizei erklärte. Laut vorläufigen Angaben wurden etwa 25 bis 30 Personen festgenommen, darunter Demonstranten aus beiden Lagern.

Gegen 17.00 Uhr lösten die Veranstalter die rechtsextremistische Demonstration zum 65. Jahrestag des Bombardements der Stadt formell auf, eine Stunde später waren laut Polizei nur noch wenige Hundert Rechtsextremisten vor Ort.

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Am frühen Nachmittag hatten mehr als 10.000 Bürger mit einer Menschenkette friedlich gegen Rechtsextremismus und Neonazis in ihrer Stadt demonstriert. „Dresden will sie nicht, und diese Bande gehört nicht hierher“, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz.

Mehrere Blockaden in den angrenzenden Straßen hatten einen Abmarsch der Rechtsextremisten vom Bahnhofsvorplatz unmöglich gemacht. Man könne nicht für Sicherheit garantieren, erklärte Polizeisprecher Thomas Geithner am Nachmittag. Auf dem eingezäunten Vorplatz des Neustädter Bahnhofs fand somit lediglich eine mehrmals unterbrochene Kundgebung statt. Nach der Absage des Demonstrationszugs erklärte die Polizei, die Neonazis dürften das Areal nur per Bahn verlassen.

Während es rund um den Bahnhof laut Augenzeugen keine Verletzten gab, kam es in den angrenzenden Straßen zu Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremisten, Gegendemonstranten und der Polizei.

Einsatz von Wasserwerfern

Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken gab es etwa an einem alternativen Jugendzentrum. Es wurden Barrikaden errichtet, von denen einige in Brand gesteckt wurden, wie die Polizei mitteilte. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.

Der Polizeisprecher hatte zunächst keine Informationen über Verletzte. Ein Journalist wurde von einem Stein am Kopf getroffen und erlitt eine Platzwunde. Er befand sich zum Zeitpunkt des Steinwurfs nach eigenen Angaben in der Nähe von Rechtsextremisten, die von der Polizei in Richtung Bahnhof Neustadt geleitet wurden.

Die mindestens 2.000 Gegendemonstranten waren am Morgen zu dem Bahnhof gezogen und hatten die Zufahrten mit Sitzblockaden und einer vorübergehenden Gleisblockade dicht gemacht. Tausende hielten sich dort auf und verhinderten so zunächst den Demonstrationszug der Rechten. Insgesamt kamen etwas weniger Neonazis nach Dresden als erwartet: Zuvor war von bis zu 8.000 Rechten aus ganz Europa die Rede gewesen.

„Festung gegen Intoleranz und Dummheit“

Auf der anderen Seite der Elbe machten die Bürger Dresdens gegen Neonazis und einen Missbrauch des Gedenkens an die Opfer der Bombardierung mobil. Nach einem Friedensgebet in der historischen Innenstadt, das von etwa 80 Blechbläsern musikalisch gestaltet wurde, bildeten mehrere tausend Menschen eine Menschenkette. Nach Angaben eines Stadtsprechers beteiligten sich mehr als 10.000 Bürger.

Oberbürgermeisterin Orosz sagte, der Jahrestag der Bombardierung im Februar 1945 sei eine Erinnerung daran, „wer diesen verdammten Krieg losgetreten hatte“. Die CDU-Politikerin sagte weiter unter Anspielung auf die Route der Menschenkette entlang der alten Festungswälle: „Wir machen Dresden zur Festung gegen Intoleranz und Dummheit.“

Die Oberbürgermeisterin wandte sich in ihrer Rede auch gegen die Verhöhnung der Opfer von Krieg und Gewalt. Viele Demonstranten hatten weiße Rosen angesteckt. Matthias Neutzner von der Interessengemeinschaft “13. Februar 1945“ äußerte Genugtuung über die große Beteiligung an der Menschenkette. Seine Erwartungen seien übertroffen worden.

Die rechte Szene ruft seit Jahren zu sogenannten Trauermärschen für die Opfer des Bombardements in der Nacht auf den 14. Februar 1945 auf. Im vergangenen Jahr waren rund 6.000 Rechtsextremisten nach Dresden gekommen.

ap