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Politik Gauck mit Beifall in Israel empfangen
Mehr Welt Politik Gauck mit Beifall in Israel empfangen
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22:33 29.05.2012
Bundespräsident Joachim Gauck ist zum Auftakt seines Staatsbesuchs in Israel mit militärischen Ehren begrüßt worden. Quelle: dpa
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Jerusalem

amit hat niemand gerechnet. Nicht in dieser Stadt. Nicht an diesem Ort – Yad Vashem, Israels Gedenkstätte an den von Deutschland entfachten Holocaust. Als sich Bundespräsident Joachim Gauck in Richtung der düsteren Kranz- und Gebetshalle bewegt, beginnen plötzlich zwei Dutzend Israelis und US-Amerikaner freundlich zu klatschen. Morgens hatten sie in der linksliberalen Zeitung „Haaretz“ von „Mr. Gauck“ lesen können, der ein deutscher Nelson Mandela sei. Das ist der Delegation des Staatsoberhauptes etwas peinlich. „Der große Mann des Liberalismus“ und „der Vertreter der Freiheit“, lobt Staatspräsident Shimon Peres später seinen Besucher aus Berlin. Zwei, drei Gäste rufen von der Empore „Bravo“. Das ist ungewöhnlich genug. Dass die zustimmenden Rufe in der Gedenkstätte dem obersten deutschen Repräsentanten gelten, der für seinen ersten Staatsbesuch Israel ausgewählt hat, macht die kleine Geschichte zum Vorgang,

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„Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er begleitet den Bundespräsidenten auf ausdrücklichen Wunsch Gaucks. Sie waren am Dienstag zum Besuchsauftakt allein am Grab des verstorbenen deutschen Zentralratsvorsitzenden Ignatz Bubis. „Es hat sich eben doch etwas geändert im Verhältnis zwischen Deutschland und Israel“, sagt Graumann. Niemand spricht über das Werk, das Günter Grass „mit letzter Tinte“ geschrieben hatte. Mit Grass habe er schon seit über 20 Jahren Schwierigkeiten, erklärt der Bundespräsident am Rande.

Beim Empfang mit militärischen Ehren zuvor schreitet Gauck an der Seite des 88 Jahre alten Peres, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Bei früheren Staatsvisiten ging meist der Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland Seite an Seite mit dem deutschen Staatsgast. Manchmal wurde er auch vorausgeschickt. Er sollte die gefühlte oder tatsächliche Sperre abmildern, wenn sich Besucher plötzlich mit einem deutschen Pulk, inklusive Bundeswehruniform, und mit der Sprache der Täter konfrontiert sahen. Heute eilt Gauck voraus, nachdenklich, faktenkundig.

Er versäumt vom ersten Moment an keine Gelegenheit, um die immer gültige Solidarität Deutschlands mit Israel zu betonen: „Unsere beiden Länder haben nach Shoah und Krieg gemeinsam Historisches geschaffen: nicht für möglich gehaltene Versöhnung und Verständigung“, sagt er. „Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für deutsche Politik bestimmend.“

Gauck hat sich seine Worte auf dieser heiklen Reise gut überlegt, das gilt auch für den handschriftlichen Eintrag in das Gästebuch von Yad Vashem. Er schreibt: „So wirst du dann hier stehen, und dein Gefühl, dein Verstand und dein Gewissen werden dir sagen: Vergiß nicht! Niemals. Und stehe zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften.“

Dieter Wonka

Dieser Artikel wurde aktualisiert

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