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Politik G-7-Auftakt: Biden als Newcomer und Merkels „Last Dance“
Mehr Welt Politik G-7-Auftakt: Biden als Newcomer und Merkels „Last Dance“
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18:15 11.06.2021
Die Vertreter der G-7-Staaten beim Gipfel im britischen Cornwall.
Die Vertreter der G-7-Staaten beim Gipfel im britischen Cornwall. Quelle: Getty Images
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London

Die malerische Kulisse hätte passender kaum sein können, als sich die Staats- und Regierungschefs der reichsten Industrienationen zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie wieder persönlich begegneten.

Tief im Westen des Königreichs startete Premierminister Boris Johnson gestern seine Charmeoffensive und begrüßte die Staatenlenker in der hermetisch abgeriegelten Bucht im Badeort Carbis Bay. Feiner Sand, türkisblaues Meer, graue Englandwolken – bis Sonntag findet in Cornwall der G-7-Gipfel statt, Gastgeber Johnson wollte sich als treibende Kraft auf der Weltbühne der Diplomatie präsentieren.

Und die Erwartungen an die sieben reichsten Industrienationen sind hoch angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen, die dementsprechend ganz oben auf der Agenda dieses von Masken und Abstandsregeln geprägten Gipfels stehen: die Folgen der Corona-Pandemie und die wirtschaftliche Erholung, zudem der Klima- und Artenschutz sowie die Stärkung gemeinsamer demokratischer Werte.

„Last Dance“ für Merkel, Biden als Newcomer

Während es für Merkel den letzten Gipfel als Kanzlerin bedeutet, ist es für Joe Biden der erste internationale als US-Präsident. Für die Deutsche sichtlich ein willkommener Wechsel vor dem Hintergrund ihrer Konflikte mit Vorgänger Donald Trump. Biden präsentiere und repräsentiere das Bekenntnis zum Multilateralismus, „das uns doch in den letzten Jahren gefehlt hat“, sagte Merkel gestern.

Gleichwohl wies sie darauf hin, dass das Eintreten für den wertebasierten Multilateralismus „natürlich auch zu einer Auseinandersetzung mit Russland, aber auch in einigen Aspekten mit China führen“ werde. Johnson sagte zum Auftakt der Konferenz, er sehe große Chancen für einen Wiederaufbau nach der Pandemie, warnte jedoch auch vor dem Risiko einer „bleibenden Narbe“, falls Ungleichheiten weiter bestünden.

Bereits vor der offiziellen Begrüßung gab die britische Regierung am Freitagmorgen bekannt, dass die G-7-Gruppe ärmere Staaten mit einer Milliarde Impfdosen unterstützen will. Die USA wollen 500 Millionen Dosen, Großbritannien 100 Millionen Dosen und Deutschland rund eine Milliarde Euro für das Covax-Programm bereitstellen.

Eine Milliarde Impfdosen sollen an ärmere Länder gehen

Das Geld für den Kauf entspreche etwa 200 Millionen Dosen. Biden nannte das Paket „historisch“. Die bis 2022 geplante Hilfe solle sowohl durch die Verteilung als auch durch die Finanzierung von Vakzinen möglich werden. Man arbeite zudem an einem Plan, um die Impfstoffproduktion auszuweiten.

Für viele der in Cornwall verteilten Protestler geht der Schritt nicht weit genug. Nur wenige Kilometer entfernt von Carbis Bay kreierten Aktivistinnen und Aktivisten am Strand von Newquay ein riesiges Sandkunstwerk mit den Konterfeis der Staats- und Regierungschefs. Mit dem Aktion forderten sie, den Patentschutz aufzuheben. Dafür werben auch Biden und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, aber es sind vor allem Deutschland und die EU-Kommission, die sich dagegen wehren.

Heftige Kritik für G 7: Vorhaben rieche nach „Selbstinteresse“

Es hieß, die Kanzlerin glaube nicht, dass eine Freigabe hilfreich und der Patentschutz das Problem sei. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO den Vorstoß der G 7 begrüßte, reagierten Hilfsorganisationen teils empört, teils enttäuscht auf die Spendenankündigung. Sie kritisierten die Summe als unzureichend.

Es handele sich um „einen Tropfen auf den heißen Stein“, sagte die Chefin von Amnesty International, Agnès Callamard. Nicht nur sei das Vorhaben „ohne Ehrgeiz, sondern riecht auch nach Selbstinteresse“, vor allem, wenn man die Zahlen bedenke, die darauf hindeuten, dass die G-7-Länder bis zum Ende des Jahres drei Milliarden Extradosen an Überschuss haben werden.

Wenn das alles sei, „muss dies als Fehlschlag gewertet werden“, sagte Jörn Kalinski von Oxfam. Johnson hatte vorab versprochen, bis Ende des nächsten Jahres „die Welt zu impfen“. Das, so monierten Vertreter von mehreren Entwicklungsorganisationen, bedeute eine sehr lange Wartezeit für ungeimpfte Menschen in ärmeren Ländern.

Insgesamt brauche es elf bis zwölf Milliarden Dosen

Insgesamt, so hieß es von Jane Halton, der Co-Vorsitzenden des Covax-Programms, seien elf bis zwölf Milliarden Dosen notwendig, um die gesamte Weltbevölkerung zu schützen. Bislang seien weltweit etwa 2,2 Milliarden verabreicht worden und das zu mehr als drei Vierteln in nur zehn Ländern.

Den glanzvollen Auftritt überließ Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar dem Gastgeber, der mit seiner Ehefrau Carrie bereits am Donnerstag US-Präsident Joe Biden, begleitet von seiner Frau Jill, empfangen hatte. Da schon gab es viele schöne Bilder von nach oben gereckten Daumen, man hörte lockere Sprüche und sah hübsche Sommerkleider im Rosamunde-Pilcher-Land – die Inszenierung klappte perfekt.

Teil der Inszenierung: Der britische Premierminister Boris Johnson und seine Frau Carrie lassen sich auf dem Weg zum G-7-Auftakt von Fotografen ablichten. Quelle: imago images/i Images

Bundeskanzlerin Merkel wird Mitte Juli nach Washington reisen

Aber trotz der Vorabanstrengungen von Johnson war es Angela Merkel, die am Freitag als erste ausländische Regierungschefin eine Einladung von Biden ins Weiße Haus erhielt. Mitte Juli wird die Kanzlerin nach Washington reisen, wie eine Sprecherin bestätigte.

Bis Sonntag weilen die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Großbritannien, den USA, Frankreich, Italien, Kanada und Japan in Cornwall. Die britische Regierung hat zudem die Staatschefs von Australien, Indien, Südafrika und Südkorea eingeladen. Aus Brüssel kamen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel.

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Am Abend war ein Empfang von Königin Elizabeth II. im Eden Project, einem botanischen Garten, geplant sowie mit anderen Mitgliedern der königlichen Familie, bevor die Staats- und Regierungschefs ein laut Downing Street durch und durch britisches Dinner serviert bekommen sollten, inklusive lokal gefangenem Steinbutt, kornischem Käse und englischen Erdbeeren.

Von Katrin Pribyl/RND

Der Artikel "G-7-Auftakt: Biden als Newcomer und Merkels „Last Dance“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.