Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik G-8 einigen sich auf Zwei-Grad-Ziel
Mehr Welt Politik G-8 einigen sich auf Zwei-Grad-Ziel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:19 08.07.2009
Die Vertreter der G8-Staaten haben sich ein gemeinsames Ziel gesetzt: Die Erderwärmung soll auf zwei Grad Celsius begrenzt werden. Quelle: Saul Loeb/ afp
Anzeige

Bisher hatten sich die USA gegen eine solche Zielsetzung gewehrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel lobten die neue Kooperationsbereitschaft Washingtons. „Es gibt eine Trendwende in den Vereinigten Staaten von Amerika“, sagte Merkel. „Dies ist ein sehr, sehr wichtiger Tag für den Klimaschutz.“ Es bleibe aber noch viel zu tun bis zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen im Dezember in Kopenhagen.

Für Irritationen sorgte am Abend Russland: Ein Berater des russischen Präsidenten bezeichnete das Klimaziel einer Reduzierung der Treibhausgase von 80 Prozent bis 2050 als „inakzeptabel“.

Anzeige

Am Donnerstag stoßen die wichtigsten Schwellenländer, darunter China, Indien und Brasilien, zu den Beratungen in Italien hinzu. In dem gemeinsamen Dokument wird nach Angaben von Gabriel erstmals das Zwei-Grad-Ziel von allen großen CO2-Produzenten anerkannt. Gabriel sagte, bislang habe in den Schwellenländern die Ansicht vorgeherrscht, dass zunächst nur die klassischen Industriestaaten den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren müssen.

Die Einbeziehung der Schwellenländer ist Teil des sogenannten Heiligendamm-Prozesses. Beim G-8-Gipfel im Jahr 2007 in dem ostdeutschen Badeort hatte vor allem Gastgeber Deutschland eine Erweiterung des traditionellen G-8-Zirkels verlangt.

Die Kanzlerin besuchte am Mittwoch vor Beginn des Gipfelprogramms in L’Aquila den vom verheerenden Erdbeben im April fast völlig zerstörten Ort Onna in den Abruzzen. Zusammen
mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi machte sie
sich ein Bild von den Wiederaufbauarbeiten. Die Bundesregierung hat für die Rekonstruktion der Dorfkirche drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die deutsche Hilfe hat auch einen historischen Hintergrund: Onna war 1944 Schauplatz eines Massakers der Wehrmacht.

Einmal mehr wurde das jährliche Treffen der G-8-Staaten von Protesten begleitet. In L’Aquila kletterten Anwohner auf einen Hügel vor der Polizeikaserne, wo der Gipfel stattfindet. Mit der Parole „Yes we camp“ – einer Anspielung auf den berühmten Wahlkampfslogan von US-Präsident Barack Obama – machten sie darauf aufmerksam, dass noch immer Tausende Menschen in Behelfsunterkünften leben.

von Michael Fischer