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18:59 24.10.2014
Alltag für die Polizei rund um die Bundesligastadien: Einsatz gegen gewaltbereite Hooligans. Quelle: Costa Belibasakis
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Köln

Köln und das Rheinland gelten bundesweit als Hochburg der Salafisten in Deutschland. Die bundesweite Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ hat vor dem Hinterausgang des Hauptbahnhofs am Dom zu einer Demonstration aufgerufen. Dazu werden mehrere tausend Menschen erwartet. Auf der anderen Seite des Bahnhofs ist eine Gegendemonstration geplant. Experten fürchten einen neuen Zulauf an gewaltbereiten Sympathisanten auf beiden Seiten.

Die gewaltbereiten Fußball-Chaoten wollen sich mit der Demonstration zum verlängerten Arm des Volkswillens machen. Dass sie sich bereitwillig auf die wenig frequentierte Seite des Bahnhofs abschieben ließen, ist für Polizeisprecher Christoph Gilles nicht überraschend, „Bei der enormen medialen Aufmerksamkeit wissen sie ganz genau, dass sie mit ihren Zielen wahrgenommen werden“, sagt er.

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Die Anliegen aber sind höchst diffus. „Gegen Salafismus“ sei man, gegen „islamische Fundamentalisten“, heißt es an einigen Stellen des mit fast 20 000 Facebook-Likes bedachten Internetforums der Hooligans. Man müsse sich dagegen wehren, heißt es, dass Deutschland „überfremdet“ werde: „Wenn wir jetzt nichts tun, gilt hier in ein paar Jahren die Scharia.“

Nun mag man diese Ängste begründet oder grotesk finden - es bleibt nicht bei der Gegnerschaft zur salafistischen Bewegung oder den „Gotteskriegern“ vom „Islamischen Staat“. Ein Großteil der Interneteinträge ist rassistisch. Beleidigt und verspottet werden alle Symbole des Islam oder mehrheitlich islamisch geprägter Länder - auch wenn die Wortführer noch so oft betonen, man achte jede Religion, wehre sich aber gegen Fanatismus.

Die fehlende Trennschärfe ist allerdings auch nicht verwunderlich. Schließlich ist die Hooligan-Gemeinschaft ein Zusammenschluss von Menschen, die grob aus drei Lagern stammten: Hooligans mit einer klaren rechtsextremen Agenda, darunter etlichen Szenegrößen aus dem Ruhrgebiet, dem Südwesten oder der Region Niederrhein, einigen wenigen Neonazis, die mit Fußball nichts am Hut haben, einigen wenigen politisch moderateren Menschen - und vielen Hooligans, die nicht politisch aktiv sind, aber ein Weltbild haben, das Soziologen wohl als „rechtsoffen“ bezeichnen würden.

Im Laufe der Zeit hat sich die Basis der Initiative allerdings verbreitert. Dementsprechend vehement fordern die Wortführer, man möge Neonazi-Propaganda unterlassen und sich in Köln keinesfalls „provozieren lassen“. Das ist zum einen dem Wunsch geschuldet, möglichen Sympathisanten aus dem gemäßigten Spektrum nicht vor den Kopf zu stoßen, entspricht aber auch dem Kalkül einiger Aktivisten aus der Nazi-Szene, die unverhohlen gefordert hatten, man müsse sich bei den „Normalos“ beliebt machen, um Stück für Stück Akzeptanz für die eigenen Anliegen zu erlangen.

Rechtsextreme Parteien haben bereits Anschluss gefunden. Dominik Roeseler, der für „Pro NRW“ im Stadtrat von Mönchengladbach sitzt, ist Mit­anmelder der Demonstration in Köln. Spannend für die Polizei ist die Frage, ob das Hooligan-Milieu tatsächlich Zulauf von außen bekommt. Die Kölner Polizei erwartet 1000 bis 1500 Teilnehmer. Der Hooligan-Verband rühmte sich am Freitagmittag mit insgesamt gut 6000 Anmeldungen.

Inzwischen ind inzwischen zwei Gegendemonstrationen angemeldet. Eine von der Initiative „Kein Veedel für Rassismus“, eine andere von der Kölner Stadtratsfraktion der „Linken“. Rund um den Bahnhof wird in jedem Fall Alarmstimmung herrschen. „Falls eine der beiden Gruppen den Versuch machen sollte, die jeweils andere zu attackieren, werden wir mit genügend Beamten vor Ort sein, um das zu unterbinden“, berichtet Polizeisprecher Gilles.

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