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Politik Globuli: Französische Entscheidung entfacht politische Debatte in Deutschland
Mehr Welt Politik Globuli: Französische Entscheidung entfacht politische Debatte in Deutschland
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06:00 12.07.2019
Ein homöopathisches Globuli liegt auf einer Fingerkuppe. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Berlin

Wer in Frankreich homöopathische Mittel kauft, muss diese künftig selbst bezahlen. Die Zuzahlungen der Krankenkassen werden schrittweise abgesenkt, bis 2021 komplett abgeschafft. Begründung: Die Wirksamkeit der Homöopathie sei nicht bewiesen. Wie ist die Lage in Deutschland?

Auch bei uns ist der Markt für Homöopathie riesig. Der Umsatz liegt im höheren dreistelligen Millionenbereich – Tendenz steigend. Viele Krankenkassen übernehmen seit 2005 zumindest anteilig Kosten für Präparate und Beratung. Für sie sind solche Erstattungen gute Werbe-Argumente, weshalb sich viele Kassen bislang gegen Beschränkungen wehren.

Schon deshalb hat die französische Entscheidung die alte politische Debatte um Globuli als Kassenleistung neu entfacht. „Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren“, betonte zuerst Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in der Rheinischen Post. „Wer diese Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft.

Eine informelle Mehrheit im Bundestag

Auch im Bundestag gibt es unter den Fachpolitikern eine Mehrheit für das „Frankreich-Modell“, wie eine Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) ergab.

„Es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss. Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen“, sagte etwa der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), dem RND.

Koalitionskollegin Sabine Dittmar von der SPD stimmt dem zu: „Ich kann die Entscheidung in Frankreich absolut nachvollziehen.“ Ihr sei aber wichtig, dass Naturheilkunde und Homöopathie nicht in einen Topf geworfen werden. Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) erklärte: „Jeder, der Homöopathie befürwortet, soll sie auch weiter erwerben können. Aber auf Selbstzahlerbasis.“ Einige Krankenkassen zahlten Globuli wohl nur deshalb, weil sie damit junge und gesunde Versicherte werben wollten. „Wir wollen einen Qualitätswettbewerb der Kassen untereinander um die beste medizinische Versorgung. Dafür kommen aber nur Leistungen in Betracht, die einen anerkannten Nutzen haben."

Linke und Grüne eher unentschlossen

Linken-Politiker Harald Weinberg wollte sich nicht festlegen. Es gäbe wichtigere Probleme im Gesundheitswesen, beispielsweise den Pflegenotstand in Krankenhäusern, der zu Komplikationen und vermeidbaren Todesfällen führe. Außerdem seien die Kosten für Homöopathie bei den Krankenkassen extrem niedrig, teilte er mit.

Bei den Grünen ist das Thema innerhalb der Partei und Fraktion traditionell umstritten. Zuletzt hatten etwa die Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws und die bayrische Grünen-Politikerin Birgit Raab der linken „tageszeitung“ nach einem Homöopathie-kritischen Artikel auf Twitter eine „Kampagne gegen homöopathische Mittel“ vorgeworfen und Einflussnahme der Pharamaindustrie unterstellt.

Diesen Vorwürfen hatte die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze widersprochen: „Homöopathie ist im Trend, aber wissenschaftlich ist keine Wirkung belegt. Da bin ich Fan der Faktenlage.“ Die offizielle Position der Fraktion ist ein Kompromiss: Ihr persönlich helfe Homöopathie zwar nicht, erklärte kürzlich die gesundheitspolitische Sprecherin, Kordula Schulz-Asche, sie sehe aber die therapeutischen Erfolge: „Die Grünen begrüßen, dass Komplementärmedizin von einigen Krankenkassen getragen wird.“

Von Christian Burmeister/RND

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