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Politik Fünf Jahre ohne Grenzkontrolle zwischen Deutschland und Polen
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14:27 19.12.2012
Ein Verkehrsbus der Europa-Linie fährt in der Nacht zum 21. Dezember 2007 ohne Grenzkontrolle über den Grenzübergang Ahlbeck-Swinemuende. Quelle: dpa
Blankensee/Ahlbeck

Der Stein des Anstoßes an der deutsch-polnischen Grenze in Vorpommern ist ein ganzer Steinhaufen. „Wir haben oft genug angerufen bei der Polizei, aber keiner hat uns geholfen“, sagt Reinhard Senckpiel, Geschäftsführer der Agrar GmbH Pampow/Blankensee. Fünf Jahre nach dem Beitritt Polens und anderer osteuropäischer Staaten zum Schengen-Abkommen hat der Mann Ernst gemacht: Weil Diebe dreimal teure Landmaschinen stahlen, ließ Senckpiehl einen Grenzüberweg mit Feldsteinen blockieren, was nicht allen gefällt. „Das ist aber alles mit rechten Dingen zugegangen“, sagt Blankensees Bürgermeister Siegfried Dreßler.

Das 600-Seelen-Dorf kurz vor Stettin (Szczecin), darunter etwa 60 polnische Einwohner, gilt trotz des Vorfalls als Musterbeispiel für das Zusammenleben von Bürgern beider Staaten. „Die letzten fünf Jahre haben uns sehr geholfen“, sagt Dreßler. Auch der Unternehmerverband Vorpommern wertet den Schengen-Beitritt als „Riesenerfolg“. So kämen endlich die dringend benötigten Fachkräfte aus Polen schnell über die Grenze, sagt Verbandssprecher Dietrich Lehmann. „Früher hat man bis zu zwei Stunden an der Grenze gestanden.“

Solche „Normalität“ dürfe man sich auch von Kriminellen nicht verderben lassen, sind sich Lehmann und Dreßler einig. Trotzdem ist Kriminalität immer wieder ein Thema an der Grenze. Im Herbst wurden zwei Polizisten von Autodieben attackiert und einem Beamten wurden die Waffe und der Streifenwagen gestohlen. Auf Usedom schlug ein Bürgermeister Alarm, weil viele Wasserarmaturen auf Friedhöfen gestohlen und Gräber dabei überflutet wurden. Auch eine Serie von Wohnungseinbrüchen beunruhigte Anwohner. Nachdem die Polizei 2011 und 2012 ihre Kräfte auf Usedom aufstockte, konnte ein Teil der Straftaten aufgeklärt werden.

Das wirke sich auch auf das Sicherheitsgefühl von Bürgern und Urlaubern aus, wie eine Befragung ergab, sagt Synke Kern, Sprecherin des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern. Demnach fühlten sich Urlauber „sehr sicher“. Bei den Einwohnern Usedoms gebe es ein „normales Sicherheitsgefühl“. Im einzigen Landkreis, der im Nordosten direkt an Polen grenzt, leben inzwischen 2274 polnische Bürger, Tendenz weiter steigend, unter anderem wegen niedriger Immobilienpreise. Für Kreissprecher Achim Froitzheim hat das Schengen-Abkommen „ein Stück Normalität“ gebracht.

Mit Zuzüglern hat Blankensee schon in der DDR-Zeit Erfahrungen gemacht. Als die Grenze kurzzeitig für beide Seiten durchlässig war, fanden sich polnisch-deutsche Paare, die noch heute hier leben, erzählt Dreßler. Das Zusammenleben klappe gut: „Ein Autoschlosser aus dem Ort, der eine Werkstatt in Polen betreibt, nimmt morgens immer Kundenautos mit und bringt sie abends repariert wieder zurück.“ Auch Hochschuldozenten aus Stettin lebten in dem idyllischen Ort.

Das alles findet Landwirt Senckpiel auch in Ordnung, trotzdem blockiert er den Ackerweg und will das auch so lassen. Auch auf der Insel Usedom kommt es von diesem Freitag an wieder zu einer kleinen deutsch-polnischen Trennung: Die als „Europa-Linie“ 2007 gestartete Busverbindung von den Kaiserbädern nach Swinemünde (Świnoujście) wird an der Grenze aus Kostengründen wieder unterbrochen. Dann sollen Fahrgäste wieder vom deutschen in einen polnischen Bus umsteigen.

dpa

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