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Politik Früherer SS-Mann wird wegen Volksverhetzung angeklagt
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11:54 24.07.2019
Karl M. wird wegen Volksverhetzung angezeigt. Quelle: ARD Panorama
Hildesheim

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat Anklage gegen einen früheren SS-Mann wegen Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener erhoben. Einen entsprechenden Bericht der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung“ bestätigte am Mittwoch ein Sprecher des Landgerichts Hildesheim.

Dem heute 96 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, dass er in einem Interview mit dem ARD-Politikmagazin „Panorama“ über das Massaker der SS im nordfranzösischen Ascq den Holocaust heruntergespielt und den französischen Zivilisten Schuld an ihrem Schicksal gegeben habe.

Wenige Tage vor Ostern 1944 wurden bei dem Massaker 86 Zivilisten im Alter von 15 bis 75 Jahren von Waffen-SS-Mitgliedern als Racheakt für einen vorangegangenen Sprengstoffanschlag auf einen Transportzug willkürlich getötet. Karl M. gehörte nach eigenen Angaben zu den SS-Männern, die die Anwohner aus ihren Häusern holten. Er selbst will aber nicht geschossen haben.

Wann kommt es zum Prozess?

Ein Termin für einen Prozess wurde noch nicht festgelegt. Zuerst muss das Landgericht Hildesheim die Anklage der Staatsanwaltschaft zulassen. In diesem Fall haben sich aus Frankreich bereits ein Dutzend Nebenkläger angekündigt, so die Zeitung. Die Beteiligung von Karl M. an dem Massaker von Ascq ist ausdrücklich nicht Gegenstand des Verfahrens.

Der Grund: Karl M. kann nicht zweimal wegen der selben Tat bestraft werden. Der ehemalige SS-Mann wurde wegen seiner Verbrechen 1949 in Frankreich zum Tode verurteilt – allerdings in Abwesenheit.

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Von RND/dpa/ka