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Politik Früherer Agrarminister Funke stolpert über 8000-Euro für Silberhochzeit
Mehr Welt Politik Früherer Agrarminister Funke stolpert über 8000-Euro für Silberhochzeit
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10:05 21.12.2009
Von Klaus Wallbaum
Umstrittener Zuschuss, uneinsichtiger Funktionär: Karl-Heinz Funke. Quelle: lni
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Er ist einer der Großen unter den Politikern, wenn es um Redetalent und die Fähigkeit geht, seine Zuhörer zu begeistern. Aber gleichzeitig gehört der Sozialdemokrat Karl-Heinz Funke aus Varel im Oldenburger Land zu den wohl umstrittensten Repräsentanten einer Partei. Am Sonnabend machte der 63-Jährige erneut von sich reden: mit einer weiteren herben Niederlage. Er trat als Funktionär eines regionalen Wasserverbandes zurück.

Vor wenigen Monaten schon hatte Funke seinen Ratsvorsitz in Varel eingebüßt. Schwere Vorwürfe waren am Wochenende gegen Funke laut geworden. Er soll als Vorsteher des Oldenburg-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) einen Zuschuss von 8000 Euro für die Feier seiner Silberhochzeit kassiert haben. Funke bestritt energisch, gegen Regeln des Verbandes verstoßen zu haben – denn es gebe einen alten OOWV-Vorstandsbeschluss, wonach derartige Familienfeste durchaus mit einem Zuschuss versehen werden könnten. Doch die Spitzen des Wasserverbandes wollten diese Darstellung nicht akzeptieren. Nach einer dreistündigen internen Sitzung warfen Funke und sein Verbandsgeschäftsführer am Sonnabendabend das Handtuch.

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Dies ist nun das unrühmliche Ende einer Karriere, die Funke bis in die Bundesregierung führte. Unter den Sozialdemokraten im Landtag galt er als „Rechter“, er war ein Weggefährte von Gerhard Schröder. Als der 1990 Ministerpräsident wurde, berief er Funke zum Chef des Agrarressorts. Bald schon fiel die eigenwillige Art des Landwirts und Berufsschullehrers auf. Er hielt witzige Reden, die seine Zuhörer fesselten – von manchen allerdings als frauenfeindlich abgetan wurden. Funke blieb an Schröders Seite, als dieser 1998 Kanzler wurde.

Der Oldenburger stieg zum bisher einzigen sozialdemokratischen Bundeslandwirtschaftsminister auf, musste aber schon 2001 im Zuge der BSE-Krise seinen Platz räumen. Danach gab es immer wieder Vorwürfe, die teils Gerüchte blieben, teils bewiesen wurden.