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Politik Franziska Giffey: „Ich bin ja nicht weg“
Mehr Welt Politik Franziska Giffey: „Ich bin ja nicht weg“
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15:16 22.08.2019
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey besucht die Wacker-Chemie in Nuenchritz. Quelle: imago images / photothek
Riesa

Mit Sylvia Boldt und Franziska Giffey treffen sich an diesem Donnerstag zwei Frauen des selben Jahrgangs im Heizkraftwerk der Wacker Chemie AG im sächsischen Nünchritz bei Riesa. Die Facharbeiterin und die Bundesfamilienministerin eint heute noch mehr, stellen die beiden amüsiert fest. Boldt ist im werksüblichen Blaumann erschienen, Giffey im blauen Kostüm. „Perfekt“, sagt die Ministerin.

Giffey besucht die Firma mit mittlerweile 1500 Mitarbeitern und 80 Auszubildenden, weil sie vorbildliche Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familien und Beruf bietet. Mitarbeiter haben zum Beispiel die Möglichkeit, bei voller Bezahlung von der Arbeitszeit pro Woche 2,5 Stunden für die Pflege von Angehörigen, eine Stunde für die Kinderbetreuung oder 2,5 Stunden für Altersfreizeit ab einem Alter von 60 Jahren zu nutzen. Wacker-Arbeitsdirektor Christian Hartel sagt: „Wir glauben daran, dass es uns erfolgreicher macht, wenn das Arbeiten angenehmer wird.“

Lesen Sie hier: Wie die Ministerin Eisenhüttenstadt besuchte

Gebrochene Biografien

Sylvia Boldt, die zwei Kinder hat, von denen eins gehbehindert ist, lobt die Firma für diese Politik. Sie hat hier gelernt und auch andere Zeiten in den vergangenen 25 Jahren im Werk erlebt. „Und ich bin immer noch hier.“ Das klingt, als wundere sie sich selbst darüber. Der Betriebsratschef Göran Gust hat dafür eine Erklärung. Als Wacker 1998 die alte DDR-Silikonfabrik übernahm, hatten Glücksritter das Unternehmen nahezu ruiniert. „Die damaligen Ängste prägen die Leute bis heute generationsübergreifend“, sagt Gust.

Giffey versucht gerade auf ihrer Tour durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen, zu erkunden, warum Menschen, denen es nach eigenem Bekunden gut geht und die auch persönlich zufrieden sind, der AfD zu hohen Wahlerfolgen verhelfen. Teilantworten hatte sie bereits am Vortag im ostbrandenburgischen Eisenhüttenstadt und in Finsterwalde an der Grenze zu Sachsen erhalten.

In der Stahlwerke-Stadt ging es um die Anbindung an die Metropolregion Berlin, die seit Jahren versprochen wird. In Finsterwalde hörte die Ministerin in einer Rückkehrer-Initiative von gebrochenen Lebens- und Arbeitsbiografien nach der Wende und entsprechend niedrigen Renten. „Vieles“, erzählt ihr eine Frau, „bricht jetzt erst auf, weil viele zu sehr damit beschäftigt waren, dass es weitergeht.“ Vielen sei das Vertrauen in die Parteien, die bislang die Rollen von Regierenden und Opposition ausfüllten, verloren gegangen.

"Dieses Aber müssen wir wegkriegen"

Giffey hört aufmerksam zu, eine alles erklärende Antwort kann auch sie nicht geben. „Die Leute sagen, es ginge ihnen gut, aber... Und dieses ‚Aber‘, das müssen wir wegkriegen.“ Wie? „Zuhören, handeln und wiederkommen.“

Wie lange sie selbst das noch kann, steht in den Sternen. Die Freie Universität Berlin prüft derzeit, ob Giffey ihren unter Plagiatsverdacht stehenden Doktortitel behalten kann. Wenn nicht, will sie zurücktreten, hat sie vor einer Woche angekündigt. Still auf das Urteil warten, will die Ministerin nicht. Sie macht einfach weiter. „Ich bin ja nicht weg“, sagt Giffey. „Ich bin doch da.“

Lesen Sie hier: Franziska Giffey bietet Rücktritt an

Von Thoralf Cleven/RND

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