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Politik Fall Walter Lübcke: Wie ein Video aus dem Jahr 2015 erneut Hass auslöst
Mehr Welt Politik Fall Walter Lübcke: Wie ein Video aus dem Jahr 2015 erneut Hass auslöst
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12:24 06.06.2019
Walter Lübcke (CDU), erschossener Regierungspräsident von Kassel. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Kassel

Im wackelig aufgenommenen Video steht ein Mann im grauen Anzug vor einer orangefarbenen Wand auf der Bühne. Der Saal ist gut gefüllt, einige stehen hinten, weil sie keinen Platz mehr bekommen haben. Walter Lübcke spricht davon, wie stolz er auf die engagierten und christlichen Gemeinden in Kassel ist.

Aus den vorderen Reihen kommen hämische Zwischenrufe, der Regierungspräsident wird von „Scheiß Staat“-Rufen und Pfiffen unterbrochen. Lübcke widerspricht den Störern des Kassler Pegida-Ablegers „Kagida“: „Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er will.“

Diesen Satz – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsdiskussion 2015 ausgesprochen – wird der am Wochenende tot aufgefundene CDU-Politiker nicht mehr loswerden. Das Video des Abends, bei dem es um eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Lohfelden ging, wird bei Youtube hochgeladen und katapultiert Lübcke direkt in den Fokus rechter Hetzer. Kommentare wie „Dieser Hans Wurst gehört gelyncht“ oder „Dieser dreckige Volksverräter gehört zerschossen“ finden sich dutzendfach unter dem Video, auch englischsprachige Todeswünsche offenbar internationaler Rechter sind darunter.

Lesen Sie auch: Rechtsextreme freuen sich im Internet über Tod des Kasseler Regierungspräsidenten

Lübcke erhält in den Wochen nach der Veranstaltung Hasskommentare und Morddrohungen, steht kurzzeitig unter Polizeischutz. Auf dem Hass-Blog der Rechtspopulisten „PI-News“ wurde seine Privatadresse veröffentlicht. Trotzdem verteidigt Lübcke in einem Interview in der „Hessischen Allgemeine“ seine Worte, macht aber deutlich, dass er sie nur an die respektlosen Störer richtete und nicht an alle Zuhörer im Saal, die einer Flüchtlingsunterkunft im Ort ablehnend gegenüberstehen.

Dennoch zieht sein Zitat in der aufgeheizten Stimmung der Flüchtlingskrise weitere Kreise. Der Schriftsteller Akif Pirincci wiederholt Lübckes Worte Tage später auf dem Podium einer Pegida-Kundgebung in Dresden. Man habe den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, interpretiert der umstrittene Redner. „Widerstand“-Rufe kommen aus dem Publikum.

Laut dem Portal „t-online.de“ haben rechte Blogs das in ihren Augen so verhängnisvolle Zitat in diesem Jahr wieder aufgenommen und damit neue Morddrohungen ausgelöst. Auch die prominente Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach habe dazu beigetragen, in dem sie einen alten Blog-Eintrag über Lübcke teilte. Unter dem Post fanden sich laut Medienberichten zahlreiche Morddrohungen und Fotos mit Pistolen und Galgen. Den Post hat Steinbach mittlerweile gelöscht und verwehrt sich gegen Anschuldigungen, sie hätte solche Hassbotschaften unkommentiert stehen lassen.

Der Hass geht weiter, auch nach Lübckes Tod. Unter dem Video aus dem Jahr 2015 mehren sich seit einigen Tagen wieder die Kommentare. „Der Verräter ist weg“ und „the murder is a good guy“ ist dort unter anderem zu lesen.

Von Nadja Lissok/RND

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